Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Zur Literaturgeschichte des Bibelkommentars
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 440 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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440 Heinz Israel Fischei lungen von 1. Hiob, 2. Psalmen, 3. Sprüche. In einigem Abstande folgt diejenige der Kommentare zu den ,,Megillot“, in der wiederum die der Bearbeitungen des Hohenliedes, nach ihr die von Kohelet an weitaus erster Stelle stehen, die der Klagelieder an letzter. Dann erst folgt die Zahl der Kommentare zu den Propheten in folgender Reihenfolge: 1. Jesaja, 2. die geschichtlichen Bücher, 3. die kleinen Propheten (unter der Zahl der Einzelkommentare ist die zu Jona am größten, wohl wegen der Verwendung des Buches als Haftara am Versöhnungstag), 4. Jeremia, 5. Ezechiel. Die rabbinische Tendenz, die Beschäftigung mit den apokalypth sehen Offenbarungen einzuschränken, wird wohl auch ein Grund der geringen Bearbeitung des Buches Ezechiel gewesen sein. Am niedrigsten ist die Zahl der Auslegungen (in absteigender Linie) zu Daniel, Esra-Nechemja, Chronik. Die seltenere Behandlung der Propheten ist kennzeichnend für die jüdische Religiosität von über 1500 Jahren, die die Tora zur Grundlage ihres Lebens hatte, die Megillot liturgisch brauchte, und der die Bücher Hiob, Psalmen und Sprüche näher standen als der Geist der Prophetie und die Geschichtsschreibung der ,,ersten Propheten“, die dem Interesse des 19. und 20. Jahrhunderts näher stehen. Die Schwierigkeit des Textes ist nicht in erster Linie ausschlaggebend für die Häufigkeit der Behandlung der Bücher24. VII. Die Exegese der Kommentare unterliegt natürlich geschichtlichen und geistesgeschichtlichen Wirkungen, neben der Form und Methode vor allem in den Deutungen umstrittener Stellen und grundlegender Tendenzen25. 24 Unter den Megillot ist das Hohelied wohl nicht der Schwierigkeit, sondern der traditionellen Bedeutung und Wertschätzung (durch die Auslegung auf ein Gespräch zwischen Gott und Israel bedingt) wegen öfter kommentiert worden; es ist vor allem Gegenstand der mystischen Gedankenkreise. 25 Ein gutes Beispiel für die geistige Natur, d. h. die Weltanschauung des Interpreten als Hintergrund der Exegese: Jes 425 wird von Ihn Esra vom philosophischen Weltbild aus und mit philosophischem Begriffsapparat, von K-aschi jedoch durch den Midrasch und von Redak durch innerbiblische Parallelen und teils auch philosophisch erklärt. Ygl. vor allem die Exegese von Jes 53.