Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Zur Literaturgeschichte des Bibelkommentars
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 435 (sequence 5)
- Language
- German
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Zur Literargescliiclite des Bibelkommentars 435 lernt). Die Formenwelt der christlichen Kommentare ist viel reieher und andersartiger als die der jüdischen. Christliche Formen und Namen: Scholien, Catenen, Marginalien, interlineare Glossen, ,,Glossa ordinaria“, der eigentliche Kommentar (Commentarius), der Quästionenkommentar, der die schwierigen Textstellen heraushebt und unter dialektischen Gesichtspunkten behandelt14. Die jüdische Formenwelt dagegen ist weitaus ärmer; die Entwicklungslinien sind andere. So scheint der ״Abhandlungskommentar sich aus dem klassischen ״Stichwortkommentar4‘ entwickelt oder wenigstens in ihm seine Vorstufe gehabt zu haben. Diese Entwicklung vollzieht sich erst im 13. bis zum 17. Jahrhundert. Die christliche Exegese aber hat diese Kommentarformen in sehr früher Zeit aufzuweisen, schon bei Hieronymus, später wieder bei Nicolaus de Lyra u. a. Der Beginn der eigentlichen jüdischen Kommentarliteratur und ihr Höhepunkt fällt in eine Zeit des Niederganges der Christliehen15. Die ersten bekannten großen jüdischen Kommentare dagegen kommen alle aus dem arabischen Kulturkreis. Leider ist die Literatur der arabischen Koranexegese nach der literarisch-formalen Seite hin noch kaum bearbeitet16. Die primitivste Form scheint die der glossenhaften Einschübe in den Korantext zu sein17. Es existierten schon früh wohl auch Sammlungen dieses Glossenmaterials. Seit dem 2. Jahrhundert d. H. ״haben islamische Theologen dem Bedürfnis entsprochen, die traditionelle Koranexegese in fortlaufenden Kommentarwerken darzustellencc. Satz für Satz kommentiert so der größte Vertreter 14 Gegen Ende des 12. Jahrhunderts wird die Schrifterklärung ganz mit scholastischen Quaestionen durchsetzt; nach M. Grabmann: Geschichte der scholastischen Methode, Bd. II, 1911, S. 15. 15 Vgl. A. Merx: Die Prophetie des Joel und ihre Ausleger . . . 1879, S. 184: Fehlen einer gesunden Hermeneutik, Nichtbeachten der Grund־ texte, Unklarheit der isagogischen Probleme u. a. m. 16 Im folgenden wurde Goldziher: Die Eichtungen der isla mischen Koranexegese, 1920, zugrunde gelegt. דב Goldziher, a. a. 0., S. 11—14. 28*