Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Zur Literaturgeschichte des Bibelkommentars
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 434 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Malbim 1× ep/1002711
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434 Heinz Israel Fischel als formelles Vorbild vorschwebten. Ehrlich ist vielleicht vom Glossar formell abhängig, Malbim von D. und I. H. Altschul12. Die sonstigen neueren Kommentare gehören formal zur Form der modernen wissenschaftlichen Kommentarliteratur. III. Die vier Auslegungsmethoden (auch in der christlichen Exegese vorhanden) sind bekannt und werden unter dem Merkwort פרדס zusammengefaßt: פשם, realistisch, textnahe (Ibn Esra, Redak u. a.); רמז, nur Winke und Andeutungen gebend, Sphäre des Geheimnisvollen (Ibn Esra teilweise); דרש, homiletisch-midraschisch (Salomo de Marini13); סוד, mystisch (Alscheieh). IV. Die jüdische Exegese zeigt in der literarischen Form der Kommentare und in der Methode Verwandtschaft mit der christliehen Bibel- und islamischen Koranexegese (Tafsir). Für Abhängigkeit sprechen die kulturgeschichtlich erwiesenen Wechselbeziehungen. Doch zeigt der Ablauf der herrschenden Literaturformen des Kommentars im Judentum eine besondere Entwickhing; zudem scheint die Methodengleichheit im Wesen der mittelalterlichen dogmatischen Bibelkultur zu liegen, was die Selbständigkeit der jüdischen Exegese in gewissen Grenzen wahrscheinlich macht, ohne die direkte Beeinflussung durch Christentum und Islam auszuschließen. In der frühchristlichen Zeit scheinen sich jüdische und christliche, im 10.—12. Jahrhundert jüdische und islamische Exegese näherzustehen; in der Renaissance und in der Neuzeit (mit Ausnahme des 17. und 18. Jahrhunderts) wiederum jüdische und christliche. Die christliche Exegese ist schon früh formal und methodisch hoch entwickelt (Beispiel: Hieronymus). Die jüdische steht damals noch auf dem Stand der atomistisch-midraschischen Interpretation einzelner Textstellen. Den Kommentar kennt sie überhaupt noch nicht (Philo, dessen Kenntnis im Fortgang der Tradition vollständig verschwindet, steht als Vertreter des alexandrinisch-jüdischen Kulturkreises vollständig abseits. Die christliche Exegese der alexandrinischen Schule hat allerdings von ihm ge- 12 18. Jahrh. — 13 17. Jährh.