Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Das Problem der Kontingenz in der Philosophie des Maimonides
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 429 (sequence 24)
- Language
- German
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Das Prcfblem der Kontingenz in der Philosophie des Maimonides 429 Analyse aber kann nur das Werk des Verstandes sein, weil nur er imstande ist, das in der sinnlichen Vorstellung Ungeschiedene in seine Komponenten zu zerlegen, während die Einbildungskraft nur ein anschauliches Ganzes mit dem anderen verbinden, aber niemals das Gegebene in seine begrifflichen Komponenten auflösen kann29. Die Atomistik, die nur körperliche Teile und ihre Eigenschaften kennt, ist die Naturauffassung der Einbildungskraft, die aristotelische Naturauffassung, die den scheinbar einheitlichen Körper als eine Zusammensetzung wesensbestimmender Faktoren erkennt, die des Verstandes. Der Nachweis des Verstandesursprungs der Kategorien der aristotelischen Naturerklärung ist für Maimonides zugleich ihre Rechtfertigung. Daß darüber hinaus noch eine Deduktion ihrer Geltung gefordert werden kann und daß der Lehre des Kalam von der völligen Kontingenz aller empirischen Gegebenheiten ein von ihrer Atomistik völlig unabhängiges logisches Motiv zugrunde liegt, kommt ihm nicht zum Bewußtsein. Wenn er darum die Schwierigkeit betont, verstandesmäßiges und begriffliches Vorstellen eindeutig voneinander zu unterscheiden, so will er damit nicht das Recht des wirklich verstandesmäßig Erkannten in Frage stellen, sondern nur die Unsicherheit seiner Abgrenzung gegen die Scheinevidenz der Einbildungskraft hervorheben. Die von ihm so nachdrücklich hervorgehobenen psychologischen Kriterien scheinen ihm in der Anwendung doch nicht jeden Zweifel auszuschließen. Nicht zufälligerweise konzentrieren sich die Schwierigkeiten, die Maimonides am Problem der Evidenz spürt, um den Begriff der Notwendigkeit des Naturgeschehens. Sie hat nicht die gleiche Evidenz wie die Gesetzmäßigkeit, die über die absolute Möglichkeit und Unmöglichkeit der Dinge entscheidet und soll doch in Verstandesmäßiger Einsicht erfaßt werden. So kann bald der rationale Charakter dieser Notwendigkeit verkannt, bald ihre relative Geltung zu der absoluten der letzten Möglichkeitsgesetze emporgeschraubt werden. Trotz der Schwierigkeit, diese Notwendigkeit nach oben wie 29 Daselbst Anmerkung ar. S. 114b; liebr. ß. 122b, 123a.