Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Das Problem der Kontingenz in der Philosophie des Maimonides
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 427 (sequence 22)
- Language
- German
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Das Problem der Kontingenz in der Philosophie des Maimonides 427 Einbildungskraft handelt, und er dringt bis zu der Frage vor, ob der Verstand selbst die Erkenntniskraft ist, die entscheidet, was ihm und was der Einbildungskraft angehört, oder ob es dazu einer von beiden verschiedenen und sie gegeneinander abgrenzenden Erkeimtniskraft bedarf24. Bei dieser allgemeinen Fragestellung hat Maimonides konkret die Differenzpunkte im Auge, die ihn von den Aristotelikern einerseits, dem Kalam andererseits trennen. Als einen der Fälle, in denen ein Streit darüber besteht, ob eine absolute Vernunftsunmöglichkeit vorliegt oder nicht, nennt Maimonides die Frage nach der Möglichkeit, ein körperliches Ding ohne vorherbestehende Materie hervorzubringen. Außerdem zeigt der Ort, an dem das Kapitel steht, worauf er abzielt. Er schickt es den Kapiteln voran, die über das göttliche Wissen handeln. Nach den Aristotelikern kann das göttliche Wissen so wenig wie das menschliche ein Unendliches umfassen oder die Entscheidungen der freien Wahl des Menschen vorwegnehmen. Hier liegt für sie eine wesenhafte und absolute Unmöglichkeit vor. Maimonides hält dem entgegen, daß diese Schranken nur für das menschliche Wissen bestehen25. Nach ihm liegt hier keine absolute, sondern eine in der besonderen Natur unseres Wissens gegründete Unmöglichkeit vor, genau wie er in der Frage des Werdens der Welt den Gesetzen, welche ein Werden aus dem Nichts ausschließen, keine absolute, sondern eine auf die gegebene Wirklichkeit beschränkte Wirkung zuspricht. In beiden Fällen aber erhebt sich die Frage, ob eine zwingende Entscheidung gegen die aristotelische Auffassung möglich oder ob es Sache der subjektiven Überzeugung ist, wenn die Aristoteliker von absoluter und er nur von einer auf die gegebene Wirklichkeit beschränkten Wirklichkeit spricht. Schon in seiner Auseinandersetzung mit dem Kalam hatte Maimonides, nachdem er seinem Gegner vorgeworfen hatte, sich nur auf die Phantasie und nicht auf das Denken zu stützen, in Kürze auf die Schwierigkeit hingewiesen, zu unterscheiden, wo 24 A. a. 0., ar. S. 29a, b; liebr. S. 21b. 25 More III, 20.