Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Das Problem der Kontingenz in der Philosophie des Maimonides
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 426 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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426 Julius Gruttmann möglich. Die Übereinstimmung mit der Wirklichkeit gibt nur den Maßstab für das innerhalb der Wirklichkeit, nicht für das absolut Mögliche und Unmögliche. Maimonides hat also einen abgestuften Möglichkeitsbegriff, während es für den Kalam nur den einen Gegensatz von absolut Möglichem und absolut Unmöglichem gibt. Man könnte versuchen, auch den Aristoielismus im Sinne eines solchen einstufigen Möglichkeitsbegriffes zu interpretieren. Seine Position würde dann darauf hinauslaufen, daß er das in der Wirk־־ lichkeit Unmögliche für absolut unmöglich ansieht, während umgekehrt der Kalam das nicht absolut Unmögliche auch in der Wirklichkeit für möglich ansieht und Maimonides die beiden Begriffe des absolut und des nur auf Grund der gegebenen Wirklichkeits- Ordnung Möglichen und Unmöglichen voneinander sondert. Auch über das, was absolut möglich und unmöglich ist, hat nach Maimonides nur der Verstand zu entscheiden. Aber soweit es sich nicht, wie in den erwähnten mathematischen Beispielen, um abgeleitete Erkenntnisse, sondern um letzte Prinzipien handelt, bleibt auch für den Verstand kein anderes Kriterium als das einer letzten Evidenz übrig. Damit rückt für diese letzte Sphäre die Anschauung des Maimonides in eine bedenkliche Nähe zu der des Kalam. Er kann diesem vorwerfen, daß er in seinem Kriterium der Vorstellbarkeit bloß phantasiemäßige Evidenz für Verstandesmäßige ausgibt, aber es handelt sich hier nur noch um die Frage der richtigen Anwendung, nicht mehr um das Wesen des Kriteriums für möglich und unmöglich. Maimonides ist sich dieser Schwierigkeit voll bewußt gewesen. Die Tatsache, daß unter den verschiedenen Richtungen ein Streit darüber ist, ob bestimmte Dinge als absolut unmöglich zu betrachten sind oder nicht, veranlaßt ihn zu der Frage, ob hier ein Tor geöffnet ist, das es dem einen frei läßt zu sagen, eine bestimmte Sache ist möglich, dem anderen, sie ist unmöglich, oder ob es etwas gibt, das dieses Tor schließt und eine eindeutige Entscheidung ermöglicht. Er fragt weiter, ob als dieser entscheidende Faktor die Einbildungskraft oder der Verstand anzusehen ist, und woran wir im letzten Falle zu erkennen vermögen, ob es sich um eine Aussage des Verstandes oder der