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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 425

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Das Problem der Kontingenz in der Philosophie des Maimonides
Date
1939-01-01
Page
Seite 425 (sequence 20)
Language
German
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Das P roblem der Kontingenz in der Philosophie des Maimonides 425 Kalam negativ dahin ausspricht, daß der Begriff des Möglichen nicht nach der Übereinstimmung mit der Wirklichkeit beurteilt werden dürfe, und positiv dahin, daß alles Vorstellbare auch möglieh sei, stellt er ihm die doppelte These entgegen, daß die Vorstellbarkeit für den Verstand nicht maßgebend sei und daß die Wirklichkeit ״der Zeuge" sei, der für Notwendigkeit, Möglichkeit und Unmöglichkeit maßgebend sei. Vorstellbarkeit ist der Maßstab der Einbildungskraft, Wirklichkeitsgemäßheit der des Verstandes. Danach gewinnt es den Anschein, als ob die gegebene Ordnung der Wirklichkeit für Maimonides der einzige Maßstab für Möglichkeit und Unmöglichkeit ist und als ob er den Begriff eines absolut Unmöglichen negiert. Das ist indessen nicht der Fall. An anderer Stelle bezeichnet er es als die gemeinsame Überzeugung aller Denker, vom Kalam bis zu den strengen Aristotelikern, daß es ein absolut Unmögliches gibt oder, wie die Schulformel lautet, daß das Unmögliche eine feste Natur hat, die nicht das Werk eines Schöpfers ist und die auch von Gott nicht geändert werden kann. Als die hauptsächlichsten Beispiele für dieses absolut Unmögliche werden dieselben angeführt, die auch im Namen des Kalam von ihm erwähnt worden waren22. Nur fügt er hinzu, daß es auch Fälle gibt, in denen eine Meinungsverschiedenheit darüber besteht, ob eine solche absolute Unmöglichkeit vorliegt oder nicht. So ist der Kalam durch seine atomistische Auffassung des Raumes genötigt, gewisse Lehrsätze der Mathematik zu leugnen. Für ihn ist die Diagonale eines Quadrates seiner Seite gleich, was für die Mathematik und die sie anerkennende Philosophie eine absolute Unmöglichkeit ist. Ein anderes Beispiel ist uns bereits begegnet. Nach den Aristotelikern ist es eine absolute Unmöglichkeit, daß ein körperliches Ding ohne eine vorherbestehende Materie hervorgebracht werden kann, was nach Maimonides und ebenso nach dem Kalam, welche eine Schöpfung aus dem Nichts anerkennen, durchaus möglich ist23. Für Maimonides ist das, was für die Aristoteliker absolut unmöglich ist, nur innerhalb der Wirklichkeit un- 22 M0Te III, 15, ar. S. 28"b, 29a; hebr. S.21a. 23 A. a. 0., ar. S. 29a, hebr. S. 21a, b.

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