Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 423

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Das Problem der Kontingenz in der Philosophie des Maimonides
Date
1939-01-01
Page
Seite 423 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2830039-2830041-2850797--56107-2851273
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Das Problem der Kontingenz in der Philosophie des Maimonides 423 lichkeit und Unmöglichkeit; entscheidet. Das ist in der Tat die Fassung, in der Ghazali die Lehre des Kalam vorträgt, der demgemäß auch die Unverträglichkeit konträrer Gegensätze wie schwarz und weiß darauf zurückführt, daß der eine die Negation des anderen in sich schließt19. Aber die vorhin angeführten Beispiele zeigen, daß Maimoirdes eine weitergehende Fassung der Lehre des Kalam vor Augen hatte. Die Unmöglichkeit, daß eine Substanz ohne Akzidenz existiert, daß Substanz und Akzidenz sich ineinander verwandeln, oder daß ein Körper in den anderen eindringt, läßt sich nicht rein formal auf Grund des Satzes vom Widerspruch einsehen. Alle diese Annahmen sind unmöglich, ohne Widerspruchsvoll zu sein. Es ist vielmehr eine unmittelbare Evidenz, die uns von ihrer Unmöglichkeit überzeugt20. Diese Evidenz hat der Kalam im Auge, wenn er die Unvorstellbarkeit zum Kriterium der Unmöglichkeit macht. Was für unser Denken unvorstellbar ist, ist auch seinem Wesen nach unmöglich, das gedanklich Vorstellbare auch im Sein möglich. 19 Ygl. Obermann, Das Problem der Kausalität bei den Arabern. Wiener Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes Bd. 29, Wien und Leipzig 1921, S.337f. Derselbe, Der philosophische und religiöse Subjektivismus Ghazalis S. 82f. und die von ihm angeführte Stelle aus Tahäfut XVII. 20 Bei mehreren von den angeführten Beispielen würde uns natürlicher als die Unmöglichkeifcsaussage eine Aussage über die Notwendigkeit des entgegengesetzten Sachverhaltes erscheinen; wir würden etwa statt der Aussage, eine Substanz ohne Akzidenz ist unmöglich, die positive erwarten, jede Substanz muß notwendig mit Akzidenzen behaftet sein. Die Schranke der Kontingenz läge in dieser positiven Notwendigkeit und die negative Passung wäre nur das Mittel, um diese Schranke zu schärferem Ausdruck zu bringen. In der mittelalterlichen Diskussion scheint indessen das Unmöglichkeitsurteil als die primäre Form betrachtet worden zu sein, um eine absolut bindende Gesetzmäßigkeit auszudrücken. Der Gedanke, daß es eine absolute Gesetzmäßigkeit gibt, die auch von Gott nicht aufgehoben werden kann, wird in die auf Alexander von Aphrodisias zurückgehende Formel gekleidet, daß das Unmögliche eine feste Natur hat, die von keinem Wirkenden hervorgebracht ist und auch von Gott nicht geändert werden kann (More III, 15, Anfang). Wir verstehen den Grund dafür, wenn wir sehen, daß Ghazali in der in der vorigen Anmerkung angeführten Stelle das Notwendige als dasjenige definiert, dessen Nichtsein zu denken wir außerstande sind. Es ist bekannt, daß diese Definition auch in der modernen Logik vertreten wird.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.