Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Das Problem der Kontingenz in der Philosophie des Maimonides
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 421 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2830039-2830041-2850797--56105-2851271- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Das Problem der Kontingenz in der Philosophie des Maimonides 421 Wenn die Kontingenz der Weltgesetze die Möglichkeit der Welt- Schöpfung erweist, so spricht die Kontingenz des Weltinhaltes gegenüber den Weltgesetzen positiv für die Schöpfung, weil gegen die notwendige Emanation der Welt aus Gott. Aus dem Wesen der absoluten Weltursache folgt nicht, daß die Welt notwendig aus ihr hervorgeht, da das Anheben ihres Wirkens keine Veränderung ihres Seins in sich schließt, und da insbesondere, wenn sie als absoluter Wille verstanden wird, der Begriff dieses Willens die absolute Spontaneität des Handelns involviert. Als Setzung dieses Willens ist die Welt ihrem Dasein und ihrer Beschaffenheit nach kontingent. Die in der Analyse der Welt gewonnenen Resultäte finden vom Gottesbegriff aus ihre letzte metaphysische Bestätigung. Diese Auffassung steht zwischen den extremen Standpunkten des Kalams und der Aristoteliker nicht als ein bloßes Kompromiß, sondern als die Entfaltung eines eigenen Prinzips, das in strenger Folgerichtigkeit in seine Konsequenzen verfolgt wird. Daß die Auffassung des Maimonides ebenso möglich ist wie die von ihm bekämpften, steht außer Frage. Nur das kann fraglich erscheinen, inwieweit es ihm gelungen ist, die anderen Positionen wirklich zu widerlegen und die seine als die allein berechtigte zu erweisen. Um die Beweiskraft seiner Argumente zu prüfen, müssen wir einige Ausführungen heranziehen, die bisher unberücksichtigt geblieben sind. Der Kalam betrachtet alles Wirkliche als zufällig, weil wir uns bei jedem Dinge vorstellen können, daß es statt seiner tatsächliehen Eigenschaften und Bestimmungen ganz andere hätte. Diese sind den wirklichen logisch gleichberechtigt, weil gleich vorstell־ bar. Der Sinn dieses Möglichkeitskriteriums verdeutlicht sich, wenn wir die in ihnen gesetzten Grenzen der Möglichkeit mit in Betracht ziehen. Wie Maimonides hervorhebt, erkennt der Kalam solche Grenzen an. Es gibt auch für ihn Dinge, die der Verstand als schlechterdings unmöglich erkennt, wie das Auftreten entgegengesetzter Bestimmungen in einem Subjekt, das Bestehen einer Substanz ohne Akzidenzen, nach manchen auch der von Akzidenzen ohne eine tragende Substanz, die Verwandlung der Substanz in ein