Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Das Problem der Kontingenz in der Philosophie des Maimonides
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 419 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2830039-2830041-2850797--56103-2851269- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Das Problem der Kontingenz in der Philosophie des Maimonides 419 kennt keine naturgesetzmäßige Bestimmtheit der Dinge, ihre ge־־ gebene Bestimmtheit ist zufällig, weil es kein Gesetz gibt, das über die Bestimmtheit von Naturerscheinungen überhaupt entscheidet. Für Maimonides gibt es ein solches Gesetz, aber es reicht nicht aus, um die konkrete Bestimmtheit des Seins zu erklären. Die Tat־־ Sachen der Natur sind gegenüber ihrer allgemeinen Gesetzmäßigkeit eine zufällige, nicht weiter ableitbare Gegebenheit. Die Richtung dieses Gedankenganges wird darin besonders deutlich, daß, nach Maimonides, unter Zugrundelegung der Ordnung der Himmelsweit, die Tatsachen der irdischen Welt ihre befriedigende Erklärung finden; das heißt in völliger logischer Korrektheit, daß, von bestimmten, einmal gegebenen Grundtatsachen aus, sich alles weitere gesetzmäßig erklären läßt, nur diese Grundtatsachen selbst lassen keine rationale Ableitung zu. Es ist die Kontingenz der Tatsache gegenüber dem Gesetze, die dem Schlüsse des Maimonides zugrunde liegt15. Auch der weitere Gang der Argumentation unterscheidet sich bei Maimonides wesentlich von dem Kalam. Dieser schließt unmittelbar aus der Tatsache, daß die gegebene Natur der Dinge logisch unableitbar ist, auf ihren Ursprung aus dem göttlichen Willen. Er hält es für unmöglich, bei der bloßen Faktizität des Seins stehenzubleiben, und sieht darum in seiner logischen Unableitbarkeit den Beweis, daß es vom Willen Gottes gesetzt ist. Für Maimonides ist die gleiche Tatsache nur ein Beweis gegen das notwendige Hervorgehen der Dinge aus Gott. Erst unter der Voraussetzung, daß die Welt in Gott ihren Ursprung hat, ergibt sich, daß sie auf einen freien göttlichen Willensakt zurückgehen muß. Die Grundlage seiner Beweisführung ist die Annahme, daß für die Emanationstheorie, welche die Welt als die notwendige Entfaltung des göttlichen Wesens ansieht, eine logische Ableitung der Dinge aus ihrer letzten Ursache möglich sein muß. Die Emanationstheorie, besonders in der Strenge, in der die islamischen Aristoteliker sie ausgebildet haben, schließt in der Tat diese Konsequenz in sich. Für sie ist die Welt in ihrer vollen Konkretion die notwendige Entfaltung des 15 Vgl. hierzu und zum folgenden ,,Philosophie des Judentums“ S. 119. 27*