Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Das Problem der Kontingenz in der Philosophie des Maimonides
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 418 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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418 Julius Guttmann mannigfaltigen Formen der irdischen Objekte in sich aufnimmt. Aber aus dem Wesen der überall gleichartigen Materie ist es nicht ableitbar, warum ein bestimmter Teil derselben die eine, ein anderer Teil eine andere Form aufnimmt. Dieselbe Schwierigkeit wiederholt sich für die Unterschiede der zu derselben Spezies gehörenden Einzeldinge. Da ihre Wesensform die gleiche ist, macht Aristoteles für ihre Unterschiede ihre Materie verantwortlich, die aber ebensowenig ein Moment der Verschiedenheit auf weist. Für die sublunarische Welt löst Maimonides dieses Problem dadurch, daß er ein differenzierendes Moment in dem Einfluß der Himmelskörper findet. Dieser gibt den verschiedenen Teilen der Materie verschiedene Dispositionen, aus denen sich sowohl die Verteilung der Formen innerhalb der Materie wie die Besonderheiten der zur selben Spezies gehörigen Einzeldinge erklären12. Aber die Schwierigkeit ist damit nur auf die Himmelswelt zurückgeschoben und kehrt hier unverändert wieder. Auch den verschiedenen Himmelssphären liegt eine gemeinsame Materie, zugrunde, aus deren Wesen es sich nicht ableiten läßt, warum sich die einzelnen Sphären in bezug auf Riehtung und Schnelligkeit ihrer Bewegungen unterscheiden, warum eine Sphäre ganz ohne Sterne, eine andere mit einer Fülle von Sternen besetzt ist, wieder andere je einen Stern besitzen. Diese Differenzen sind um so weniger rational erklärbar, weil sie in durchaus zufälliger und regelloser Art auf treten. Es gibt kein Gesetz, aus dem sich die Besonderheit der einzelnen Himmelssphären erklären läßt, sie kann vielmehr nur auf der Setzung des göttlichen Willens beruhen13. Auf die Verwandtschaft dieser Argumentation mit der des Kalam weist Maimonides selbst hin. Auch für den Kalam ist die Zufälligkeit der gegebenen Beschaffenheit der Dinge ein Beweis dafür, daß diese Beschaffenheit durch den göttlichen Willen gesetzt ist. Aber mit vollem Recht hebt Maimonides die grundsätzliche Verschiedenheit beider Argumentationsweisen hervor14. Der Kalam 12 More II, 19, ar. 8. 40, 41a, hebr. S. 39, 40a. 13 A. a. 0., ar. S. 41a—45a, hebr. S. 40a—45a. 14 A. a. 0., ar. 8. 40a, hebr. S. 39a.