Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Das Problem der Kontingenz in der Philosophie des Maimonides
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 417 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Problem der Kontingenz in der Philosophie des Mainaonides 417 absolute Sein faßt und ihm eine Kausalität zuschreibt, die von jeder Aktivität abgelöst ist. Auf beiden Seiten ist es dieselbe Schwierigkeit, im Begriff der absoluten Weltursache die Momente des absoluten Seins und der absoluten Kausalität zu verbinden, von einem statisch gefaßten Begriff des Absoluten aus den Übergang zur Welt zu finden. Die damit gesetzte Dialektik im Begriffe des Absoluten weiter zu verfolgen ist nicht dieses Ortes. Dagegen sind die Konsequenzen beider Standpunkte für unser Problem von größter Wichtigkeit. Wird in Gott allein das Moment des absoluten Seins anerkannt, so kann seine Kausalität nur als Ausdruck seines Wesens verstanden werden. Das Sein der Welt ist im göttlichen Wesen gegründet und darum von der höchsten mögliehen Notwendigkeit. Umgekehrt ist vom Begriff des absoluten Willens her der Akt der Weltschöpfung als ein Akt Schlechthinniger Spontaneität zu sehen; das Sein der Welt wird damit im letzten metaphysischen Sinne kontingent. Die bedingte Notwendigkeit empirischer Motivationsverhältnisse scheidet für beide Standpunkte aus. Es gibt nur die Wahl zwischen der im göttlichen Wesen gegründeten schlechthinnigen Notwendigkeit des Weltseins oder seiner dem Begriffe des absoluten Willens entsprechenden strengen Kontingenz. Einer letzten Seite des Kontingenzproblems begegnen wir in der Argumentation, in der Maimonides die Schwierigkeiten der aristotelischen Position aufzeigt, um damit die Schöpfungslehre, wenn auch nicht strikt zu beweisen, so doch wahrscheinlich zu machen. Die wesentliche Schwierigkeit liegt darin, daß es unmöglieh ist, aus der allgemeinen Gesetzmäßigkeit der Natur deren besondere Bestimmtheit abzuleiten, und zwar liegt die Schwierigkeit sowohl in dem Verhältnis der besonderen Gesetze zu den allgemeinen wie in dem des Einzeldinges zu der generellen Gesetzmäßigkeit des Seins überhaupt. Die konkrete Fassung, die dieses Problem bei Maimonides gewinnt, ist durch die Grundkategorien der aristotelischen Naturauffassung, Materie und Form bedingt. Die gesamte sublunarische Welt hat eine und dieselbe Materie zu ihrem Substrat. Die Verschiedenheit der Dinge beruht darauf, daß diese Materie die 27