Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Das Problem der Kontingenz in der Philosophie des Maimonides
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 415 (sequence 10)
- Language
- German
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Das Problem der Kontingenz in der Philosophie des Maimonides 415 innerhalb unserer Natur von notwendiger und als bloße Naturgesetzmäßigkeit nicht von absoluter und in diesem Sinne von kontingenter Gültigkeit. Bei der zweiten, vom Gottesbegriffe aus argumentierenden Gruppe von Beweisen der Aristoteliker für die Ewigkeit der Welt bildet das Problem der Kontingenz nicht den Ausgangspunkt, aber im Laufe des Beweisganges tritt seine Bedeutung auch hier hervor. Der Gottesbegriff, auf den sich die Argumentation stützt, ist der der absoluten Weltursache, deren Wesen jede Veränderung und jede Abhängigkeit von einem außer ihr liegenden Sein ausschließt. Von diesen beiden Wesensmomenten aus wird die Umnöglichkeit eines Weltanfanges erwiesen. Hätte Gott die Welt geschaffen, nachdem sie vorher nicht gewesen war, so müßte in ihm ein Übergang von der Möglichkeit des Schaffens zum wirklichen Schaffen stattgefunden haben, und dieser Übergang müßte durch irgendeine Ursache bewirkt worden sein. Die Welterschaffung steht also sowohl mit der Unveränderlichkeit Gottes wie mit einer Unabhängigkeit von jeder außer ihm liegenden Ursache im Widerspruch. Ein weiterer Beweis betont vor allem das zweite Moment. Wenn ein Wirkender zu bestimmter Zeit zu wirken anfängt, so kann das nicht an seinem Wesen, sondern nur an äußeren Eaktoren liegen, die ihn entweder bis zum Eintritt des Handelns am Wirken gehindert oder seinen Willen zum Wirken bestimmt haben. Beides ist bei Gott gleich unmöglich. Sein Wirken kann nur die Polge seines Wesens und muß darum ebenso ewig wie dieses sein. Die Absolutheit Gottes läßt nur ein aus seinem Wesen notwendig hervorgehendes Wirken zu10. Maimonides erkennt den dieser Beweisführung zugrunde liegenden Begriff von Gott als dem absoluten Sein völlig an. Auch für ihn ist jede Veränderung in Gott und jede Abhängigkeit Gottes von einem anderen Sein ausgeschlossen, aber er lehnt die daraus gezogenen Konsequenzen ab, weil sie davon ausgehen, daß zwischen dem Sein und dem Wirken Gottes dasselbe Verhältnis besteht 10 More II, 14, erster und zweiter Beweis aus dem Wesen Gottes, ar. S. 31a, hebr. S. 33a.