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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 413

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Das Problem der Kontingenz in der Philosophie des Maimonides
Date
1939-01-01
Page
Seite 413 (sequence 8)
Language
German
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Das Problem der Kontingenz in der Philosophie des Maimonides 413 Innerhalb der Welt ist ein Werden und ebenso ein Vergehen der Materie unmöglich. Wenn diese Gesetzlichkeit des Werdens und Vergehens absolute Geltung hat, so ist ein schlechthinniges Werden, das auch die Materie mitumfaßt, ausgeschlossen. Daß die Überzeugung von diesem absoluten Geltungswert der Grundgesetze der Wirklichkeit das eigentliche Motiv der aristotelischen Lehre ist, spricht Maimonides gerade am Beispiel der Materie klar aus. In der Darstellung der platonischen Anschauung, nach der die Welt von Gott aus einer ewigen Materie gebildet ist, schreibt er den Vertretern dieser Lehre und ebenso natürlich den Aristotelikern, die jeden weltbildenden Akt leugnen, die Meinung zu, ein Entstehen aus dem Nichts, das heißt ohne zugrunde liegende Materie, und ebenso ein Vergehen der Materie ins Nichts sei undenkbar. Gott sei ebensowenig imstande, das zu bewirken, wie er bewirken könne, daß zwei entgegengesetzte Bestimmungen einem Subjekt gleichzeitig zukommen, und so wenig es eine Schranke der göttliehen Allmacht sei, daß er das in sich Widersprechende nicht her- Vorbringen könne, sei es eine solche, daß ihm ein Hervorbringen aus dem Nichts unmöglich sei8. Hier werden die Gesetze der Welt- Ordnung den letzten Denknotwendigkeiten gleichgestellt und damit auch für die metaphysische Frage nach dem Verhältnis von Gott und Welt verbindlich gemacht. Die wirkliche ist zugleich die notwendige Weltverfassung, und aus ihrem Begriff muß jedes Moment der Kontingenz aus scheiden. Die diesen Gesetzen zugeschriebene absolute Notwendigkeit wird von Maimonides bestritten. In genauer Übereinstimmung mit dem, was er gegen den Kalam geltend gemacht hat, erkennt er an, daß sie für alles Werden innerhalb der Natur gelten, aber er bestreitet, daß sie darum für das Werden schlechthin gelten. In Anwendung auf den Begriff der Materie erläutert er das dahin, daß sie nicht in demselben Sinne werden und vergehen kann wie der Mensch, der aus dem Samen wird und sich in Staub auflöst. Gegen eine derartige Annahme wären die aristotelischen Argumente völlig im Recht. Dagegen verfehlen sie ihr Ziel gegenüber der 8 More II, 13, 2. Theorie, ar. S. 2Sa, hebr. S. 30b.

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