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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 411

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Das Problem der Kontingenz in der Philosophie des Maimonides
Date
1939-01-01
Page
Seite 411 (sequence 6)
Language
German
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Das Problem der Kontingenz in der Philosophie des Maimonides 411 besteht aus Materie und Form derart, daß die Besonderheit jeder Spezies durch eine bestimmte Form konstituiert wird, die ihrerseits nur in einer Materie von bestimmter Zusammensetzung zur Verwirklichung kommen kann. Sowohl mit der Form wie mit der Materie jedes Dinges hängen bestimmte Eigenschaften wie die Härte und die schwarze Farbe des Eisens und die Weichheit und die weiße Farbe der Butter notwendig zusammen. Von diesem Standpunkt aus trifft es nicht mehr zu, daß die Butter ebensowohl hart wie weich, das Eisen ebensogut hart wie weich hätte sein können. Die vom Kalam für rein kontingent betrachtete tatsächliche Beschaffenheit der Dinge geht aus deren konstituierenden Elementen mit Notwendigkeit hervor5. Die These des Kalam ist nach Maimonides nur darum möglich, weil er aus seiner Auffassung der Natur alle Faktoren eliminiert, auf denen die spezifische Bestimmtheit der Naturobjekte beruht. Nach dem Kalam sind alle Körper aus Atomen von völlig gleicher Beschaffenheit zusammengesetzt. Diese allein haben substantielle Existenz. Es gibt keine substantiellen Formen, die den Dingen ihr Wesen verleihen, und damit entfällt auch die Möglichkeit, die Materien verschiedener Klassen von Objekten qualitativ voneinander zu unterscheiden, da diese qualitativen Unterschiede, wie sie der Aristotelismus versteht, auf dem Vorhandensein von Formen niederer Ordnung beruhen. Außer den völlig unterschiedslosen Atomen gibt es nur die Akzidenzen, auf denen die Unterschiede der einzelnen Dinge beruhen, und auch unter ihnen gibt es keine Verhältnisse gegenseitiger Abhängigkeit, denen zufolge etwa das Vorhandensein bestimmter Akzidenzen niederer Ordnung Voraus- Setzung für das Auftreten von Akzidenzen höherer Ordnung wäre. Vielmehr stehen alle Akzidenzen auf gleicher Stufe und haften gleich unmittelbar an den Atomen. Unter diesen Umständen ist es freilich richtig, daß jedes Atom ebensogut die einen wie die anderen Akzidenzen auf nehmen kann und daß für jedes Ding alle Bestimmungen gleich möglich sind6. Diese Kontingenz verschwindet 5 I, 73, 10, ar. S. 113b, hehr. S. 122a, b. 0 A. a. 0., ar. S. 114a, hebr. $. 122a, b.

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