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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 409

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Das Problem der Kontingenz in der Philosophie des Maimonides
Date
1939-01-01
Page
Seite 409 (sequence 4)
Language
German
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Das Problem der Kontingenz; in der Philosophie des Maimonides 409 trachtet werden muß. Es wäre demgemäß durchaus möglich, daß die Erde, statt zu ruhen, sich im Kreise bewegte, und die Himmels- Sphären, statt zu kreisen, ruhten, daß das Element des Feuers, statt nach oben nach unten, das der Erde statt nach unten nach oben strebte, der Elefant die Größe einer Mücke hätte und umgekehrt. Keine der verschiedenen Möglichkeiten hat einen Vorzug vor den anderen; es trifft zwar zu, daß die Dinge ständig eine bestimmte Ordnung innehalten, aber diese Regelmäßigkeit beruht auf keiner Notwendigkeit. Sie ist von derselben Ordnung wie etwa die Gepflogenheit der Fürsten, zu fahren und nicht zu Fuß zu gehen2. Damit ist die Kontingenz der gegebenen Wirklichkeit mit höchster Prägnanz ausgesprochen. Das Wirkliche ist, logisch betrachtet, nur eine unter zahlreichen gleichberechtigten Möglichkeiten, und es gibt keinen logischen Grund, daß gerade diese und keine andere Möglichkeit wirklich geworden ist. Aus dieser Tatsache, daß zwischen Wirklichem und Nichtwirklichem kein Unterschied des Möglichkeitscharakters besteht, zieht der Kalam die Konsequenz, daß es einen Schöpfer geben muß, der eine von den gleichberechtigten Möglichkeiten gewählt hat. Dieser Beweis erinnert an den früher erwähnten, der von der bloßen Möglichkeit des Seins der Dinge überhaupt auf eine letzte Weltursache von notwendiger Existenz schließt. Allein den Ausgangspunkt des Kalam bildet nicht der formale Möglichkeitscharakter der Welt, sondern die Kontingenz der Dinge in ihrer inhaltlichen Bestimmtheit, und darum führt sein Beweis nicht auf eine notwendige Welt- Ursache schlechthin, sondern auf einen Welturheber, der die Ent- Scheidung zwischen verschiedenen gleichberechtigten Möglichkeiten zu treffen vermag. Das logische Faktum der Kontingenz, bei dem als einer letzten Urtatsache stehen zu bleiben der metaphysischen Denkweise des Kalam unmöglich ist, fordert die voluntaristische Gottes Vorstellung, die somit nicht nur religiös, sondern auch metaphysisch fundiert ist. 2 More Nebuchim I, Kap. 73, These 10; arabischer Text ed. Munk (=ar.) S. 112b, 113a, hebräische Übersetzung ed. Wilna 1014 (=hebr.) S. 121a u. b.

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