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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 408

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Das Problem der Kontingenz in der Philosophie des Maimonides
Date
1939-01-01
Page
Seite 408 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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408 Julius Guttmann Atomisierung der Welt und den aus ihr folgenden Okkasionalismus, für den alles einzelne Sein und jedes besondere Geschehen eine unmittelbare Wirkung des göttlichen Willens ist. Innerhalb der Welt besteht ein gesetzmäßiger Zusammenhang, demgemäß alles Einzelne notwendig aus seinen Bedingungen folgt, ein Zusammenhang, der freilich als ein vom göttlichen Willen gesetzter, von diesem im Einzelfalle auch aufgehoben werden kann. Das ergibt, wenn wir von Einzelbestimmungen vorerst noch absehen, grundsätzlich die Kontingenz des Weltseins überhaupt, die Notwendigkeit des Seins in der Welt, gemäß deren gegebener Verfassung. Dieses Verhältnis beider Momente ist der Ausdruck dafür, daß der aristotelische Rationalismus von Maimonides schließlich dem biblisehen Voluntarismus eingeordnet wird1. In jeder dieser hier kurz dargestellten Positionen ist die Stellung zum Problem der Kontingenz nicht eine bloße Folge der religiösen und metaphysischen Gesamtauffassung, vielmehr versuchen die einzelnen Richtungen, wie sich aus der Auseinander- Setzung des Maimonides mit seinen Gegnern deutlich ergibt, von dem Problem der Kontingenz aus ihren Standpunkt zu begründen. Nach Maimonides ist die Grundlage des Systems des Kalam dessen Lehre von der ,,Zulässigkeit“ oder ,,Angängigkeit“, derzufolge alles, was vorstellbar ist, auch vom Verstände als ,,angängig“ be- 1 Ygl. meine ״Philosophie des Judentums“, München 1933, S. 187—193. Manche dort nur kurz angedeuteten Gesichtspunkte sollen im folgenden genauer entwickelt und durchgeführt werden. Die Kritik des Maimonides an der Emanationslehre der Aristoteliker wird eingehend behandelt Y0n Fritz Bamberg er, Das System des Maimonides. Eine Analyse des More Nebuchim vom Gottesbegriff aus. Kap.II: Die Kosmologie, Berlin 1935. Die vorliegende Abhandlung hat es zu gutem Teil mit den auch von ihm behandelten Fragen zu tun, beleuchtet sie aber von einem Gesichtspunkt aus, der bei Bamberger nur eine sekundäre Bedeutung hat. Den Gegensatz des Maimonides sowohl zum Kalam wie zum Aristotelismus behandelt auch die Dissertation von Wolf Mischel: Die Erkenntnistheorie Maimonides, Berlin 1908. Die gescheite Arbeit ist leider in ihren Ergebnissen völlig unbrauchbar, weil sie sich bemüht, den Maimonides zum Empiristen zu machen und seinen Gegensatz sowohl zu Aristoteles ־wie zum Kalam als den Gegensatz des Empirismus zum Logismus darzustellen. Ich habe darauf verzichtet, die Gewaltsamkeiten dieser Deutung im einzelnen nachzuweisen.

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