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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 407

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Das Problem der Kontingenz in der Philosophie des Maimonides
Date
1939-01-01
Page
Seite 407 (sequence 2)
Language
German
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Das Problem der Kontingenz; in der Philosophie des Maimonides 407 Den vollkommenen Gegensatz hierzu bildet die Haltung des Kalam, die wir ebenso wie die des Emanationssystems in ihrer radikalen Form darstellen, ohne auf etwaige Abschwächungen und Milderungen Rücksicht zu nehmen. Für den Kalam ist zunächst der Zusammenhang zwischen Welt und Gott kein notwendiger, sondern die Welt ist die freie Schöpfung des göttlichen Willens. Dabei macht es keinen prinzipiellen Unterschied, ob dieser Wille als rational bestimmt oder über alle rationalen Maßstäbe erhaben gedacht wird. So oder so beruht das Dasein der Welt auf der freien Entschließung des göttlichen Willens. Sie muß nicht sein, sondern ist nur, weil sie vom göttlichen Willen gesetzt ist. Dasselbe aber gilt auch für die konkrete Bestimmtheit alles einzelnen Seins. Der Kalam begnügt sich nicht damit, eine gegebene Bestimmtheit der Weltordnung auf den göttlichen Willen zurückzuführen. Um jeder Beschränkung der göttlichen Schöpfermacht zu entgehen, hebt er vielmehr den immanenten Weltzusammenhang gänzlich auf und führt alles Geschehen unmittelbar auf Gott zurück. Diesem Zweck dient sowohl die atomistische Konstruktion der Wirklichkeit wie die Kritik an dem Gedanken eines innerweltlichen Kausal- Zusammenhanges. Wie für das Dasein der Welt überhaupt, ist auch für die Existenz und für die Bestimmtheit jedes einzelnen Dinges der göttliche Wille die alleinige Ursache. Nichts in der Welt ist notwendig, alles ist nur, was es ist, weil Gott es so will. Das gilt auch für das Zusammentreffen der verschiedenen Bestimmungen in einem Dinge. Jede Bestimmung könnte mit jeder beliebigen anderen verbunden sein. Der Okkasionalismus dieser Weltauffassung schließt jede Notwendigkeit des Geschehens aus. An Stelle der unbedingten Notwendigkeit des Emanationssystems tritt hier eine ebenso uneingeschränkte Kontingenz. Im Gegensatz zu diesen beiden extremen Auffassungen erkennt Maimonides sowohl den Gedanken der Notwendigkeit wie den der Kontingenz an und grenzt beide gegeneinander ab. Mit dem Kalam betrachtet auch er die Welt als Schöpfung des göttlichen Willens und lehnt die Lehre von ihrer notwendigen Emanation aus Gott ab. Aber er wendet sich gegen die von dem Kalam unternommene

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