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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. 406

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Das Problem der Kontingenz in der Philosophie des Maimonides
Date
1939-01-01
Page
406 (sequence 1)
Language
German
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Das Problem der Kontingenz in der Philosophie des Maimonides Von Julius Guttmann Die Philosophie des Maimonides steht in der Mitte zwischen dem Emanationssystem der islamischen Aristoteliker und dem Voluntarismus des Kalam, und das Problem, an dem sie sich am bestimmtesten nach beiden Seiten hin .abgrenzt, ist das der Kontingenz. Dabei ist nicht an die Kontingenz des Seins der Welt überhaupt, im Gegensatz zu der Notwendigkeit des göttlichen Seins, gedacht. In bezug auf diese Frage stimmen alle genannten Richtungen der Sache, wenn auch vielleicht nicht der Formulierung nach, überein. Nach der bekannten Lehre der Aristoteliker ist die Welt und die Gesamtheit des in ihr Existierenden von bloß möglicher Existenz, das heißt ihr Wesen schließt ihre Existenz nicht in sich. Sie verdankt ihr Dasein darum einer außer ihr liegenden Ursache, die ihrerseits von notwendiger Existenz sein muß. Der Kalam bedient sich dieser Argumentationsform nicht, aber der ihr zugrunde liegende Gedanke, daß das Sein der Welt, von ihrem eigenen Wesen aus betrachtet, ein bloß zufälliges ist, wird von ihm durchaus geteilt. In bezug auf diese wesensmäßige Kontingenz der Welt gibt es keine Meinungsverschiedenheit. Die Differenz der Schulen setzt erst an einem tiefer liegenden Punkt ein. Sie betrifft erstens die Art des Zusammenhanges der Welt mit Gott, zweitens den inneren Zusammenhang des Weltgeschehens und die Bestimmtheit der Dinge in der Welt. Das Ernanationssystem behauptet nach beiden Seiten hin die strenge Notwendigkeit des Seins. Die Welt geht aus Gott mit Notwendigkeit hervor, und es besteht in ihr ein notwendiger Zusammenhang, durch den sowohl das Dasein wie das Sosein jedes Objektes eindeutig bestimmt ist. Die Welt ist nur ihrem Wesen nach kontingent, es fehlt ihr die Notwendigkeit des unbedingten Seins. Aber ihr bedingtes Sein ist ein notwendigbedingtes Sein, das jede Möglichkeit des Andersseins, jede Kontingenz im ganzen wie im einzelnen ausschließt.

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