Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 404

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Die Stellung des Judentums im Dialogus des Peter Abaelard
Date
1939-01-01
Page
Seite 404 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2829132-2830039-2830041-2850796--56087-2851254
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

404 Hans Israel Liebescliütz einander gereiht. ]Die Nachbildung der antiken Literaturform ergab für Abaelard eine Darstellungsweise, welche durch die Verteilung von Lehrvorträgen auf mehrere Unterredner das bequeme Ausbreiten gegensätzlicher Anschauungen gestattete. So vermochte Abaelard seine eigene theologische Haltung im erdachten Gespräch auf die vorteilhafteste Weise zum Vergleiche zu stellen. Er macht dem Leser ihre Mäßigung und ihre Verbundenheit mit der Bibel deutlich, indem er den philosophischen Christen in die Verteidigung gegen einen radikalen Vemunftlehrer stellt. Die Ausgestaltung des jüdischen Partners, zu der ihm schon der Stil des Dialogs Anlaß gab, entsprach erst recht seinen Beweisabsichten. Bernhard hatte ihm vorgeworfen, daß seine Art, das Christentum zu lehren, dessen eigentlichen Gehalt verflüchtigt habe; demgegenüber sollte der ausgeführte Vergleich mit der einzigen fremden Religion, die im christlichen Raum ein legitimes Dasein führte, beweisen, daß gerade Abaelards Formung der Christenlehre deren wesentlichsten Charakter ebenso klar zum Ausdruck brachte wie die Apologetik der Alten Kirche. Um diesen Beweis wirksam zu machen, war zweierlei nötig: einmal mußte der jüdische Sprecher wirklich als Vertreter jener Gemeinden wirken, welche dem christlichen Leser als die gegenwärtigen Bekenner eines fremden Glaubens ebenso alltäglieh begegneten wie die Heiden dem antiken Christen; zweitens mußten jene Unterscheidungen des Alten und Neuen Bundes, wie sie die alten Klassiker der Kirchenlehre formuliert hatten, durch die Ausführungen des Dialogs durchschimmern, um so dem dort dargestellten Christentum den Charakter der Rechtgläubigkeit zu geben. Außerdem gestattete die Gesprächsform der Schrift dem Autor die Wahrung eines Scheins von persönlicher Zurückhaltung bei Verfechtung seiner Sache. Dadurch, daß Abaelard selbst als vorsichtig schweigsamer Schiedsmann auftrat, konnte der Christ des Dialogs seine Lehre vertreten, ohne daß sie, wenigstens für den ersten Eindruck des Lesers, unmittelbar mit dem Namen des Autors verbunden war. — Freilich war gerade für Abaelards Bewußtsein die theologische Sache nie ganz von dem Streit um die Bedeutung der eigenen Person zu trennen gewesen. Es ist kein Zu-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.