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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 403

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Die Stellung des Judentums im Dialogus des Peter Abaelard
Date
1939-01-01
Page
Seite 403 (sequence 14)
Language
German
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Die Stellung des Judentums im Dialogus des Peter Abaelard 403 durch wirkliche Religionsgespräche veranlaßt ist. Ein Mann seiner Art würde schon aus literarischem Interesse an Seltenem und Eigenartigem Motive des nachbiblischen Judentums gebracht haben, wenn ihm Derartiges im Leben begegnet wäre. Wichtiger aber scheint uns die Überlegung zu sein, daß sich die eingehende Behandlung des Judentums im Dialog, diese Bereicherung der Darstellung gegenüber der Stichwortmethode des Petrus Damiani, sehr gut aus der geistigen Haltung des Dialektikers Abaelard verstehen läßt und aus der Stellung, die der Dialog am Ende seiner Gelehrten- und Schriftstellerlaufbahn einnimmt. Wir haben gesehen, daß die Gedankenführung des kleinen Buches auf den Nachweis hinausläuft, daß das Christentum seine besondere Stellung in der Heilsgeschichte gegenüber dem auf Satzungen beruhenden Judentum als eine philosophische Religion inne hat. Der positive Teil dieser These spricht den Hauptinhalt der Lebensarbeit Abaelards aus; sie hat aber darüber hinaus für die Jahre 1141/42, als der Dialog im Schutze Clunys geschrieben wurde, einen besonderen Sinn: Abaelard war dorthin gekommen, nachdem die Synode von Sens seine theologische Haltung verurteilt hatte. Bernhard von Clairveaux war vor der französischen Gelehrtenwelt und an der römischen Kurie sein Ankläger gewesen; für ihn bedeutete Abaelards begriffliche Behandlung von Dogmen und Sakramenten eine Verflachung des Glaubens durch den neugierigen Menschengeist, der ehrfurchtslos in alle Geheimnisse dringt und sie seiner Formung unterwirft. Die römische Kirche hatte dieses Urteil über Abaelard angenommen, indem sie den Spruch von Sens bestätigte. Dieser Lage gegenüber fand Abaelard in der ihm von jeher vertrauten altkirchlichen Verteidigung der Christenlehre als des Inbegriffs philosophischer Weisheit eine letzte taktische Möglichkeit, seinen Standpunkt als rechtgläubig zu vertreten. Die formale Anregung zur Ausführung kam ihm von der Antike her, wahrscheinlieh von Ciceros Schrift ,,Über die Natur der Götter“, die zum Besitz der klassischen Gelehrsamkeit seines Jahrhunderts gehörte. Hier waren die Theorien der verschiedenen Philosophenschulen der Epikuräer, der Skeptiker, der Stoiker zu einem Lehrgespräch hinter- 26*

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