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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 402

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Die Stellung des Judentums im Dialogus des Peter Abaelard
Date
1939-01-01
Page
Seite 402 (sequence 13)
Language
German
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402 Hans Israel Li ©beschütz näher bezeichnete Geschäfte zu erledigen hatte; außerdem aber suchte er die persönliche Aussprache mit dem Abt, den er für gewisse, wiederum nicht angegebene Dinge brauchte, und mit dem er ein jedes Mal in freundschaftlicher Gesinnung eine Erörterung über Bibel und Glauben anfing. Eines Tages hatten beide Gesprächspartner mehr Zeit als gewöhnlich. Der Jude entwickelte seine Gegengründe gegen das Christentum angemessen und folgerichtig; er sprach von der Ewigkeit des im Gesetzeswortlaut ausgesprochenen Gotteswillens; er erklärte seinen Glauben an den Messias, der in der kriegerischen Gegenwart noch keineswegs als erschienen betrachtet werden könne und niemals Gott sein würde; er kritisierte ferner den kirchlichen Bibeltext und verwarf auf Grund der Schrift die Bilder im christlichen Kult. Auf alle diese Einwürfe seines Geschäftsfreundes wußte der Abt so zu antworten, daß die Anwesenden ihn baten, Rede und Gegenrede andern zum Nutzen aufzuschreiben. Auch Abaelard selbst , zu dem wir uns nun zurückwenden, erzählt uns einmal beiläufig, daß er die Bibelauslegungen eines Juden einmal mit angehört habe36. Obwohl im übrigen seine Bildung ganz in den Grenzen des Lateinischen bleibt, zeigen seine Schriften ein gewisses Interesse am hebräischen Urtext, das sich durch häufige Heranziehung der Schrift des Hieronymus über die hebräischen Namen bekundet. Aber gerade der Dialog zeigt keine derartigen Bemühungen um den hebräischen Wortlaut und erst recht keine Einwirkung jüdisch-traditioneller Bibelerklärung. Die Schrift ist, wie wir sahen, auch in den Reden des Juden durchaus von Motiven der lateinischen Kirchenväter her gestaltet. Neben ihnen steht Cicero als Vermittler antiker Philosopheme, und wie wir gleich noch sehen werden, als das wahrscheinliche Vorbild für die literarisehe Eorm. Dieser Quellenbefund für sich allein gibt jedenfalls keinen Anhalt für die Annahme, daß Abaelards ausführliche Behandlung des Judentums im Dialog durch häufige Unterhaltungen, 36 Problemata Heloissae 36, P.L, Bd. 178 col. 718: Ich hörte einen Hebräer, der so anslegte: JEine Silbermünze bedeutet einen Silberschekel, womit man sich vom Priester loskauft (I Sam 286).

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