Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Die Stellung des Judentums im Dialogus des Peter Abaelard
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 401 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Stellung des Judentums im Dialogus des Peter Abaelard 401 hunderte33 nahm an, daß die geistige Entwicklung der Judenheit im islamischen Spanien während dieser Epoche mit ihrer Entfaltung religiös-philosophischen Denkens auf die Juden im christlichen Kulturbereich gewirkt und in ihnen die Neigung zu religiöser Auseinandersetzung gestärkt habe. Man muß wohl diese Zusammenhänge noch etwas weiter fassen. Es gab damals eine wirksame Verbindung über die islamisch-christliche Kulturgrenze hinweg; der Aufstieg der wissenschaftlichen Theologie mit Denkmitteln des griechischen Philosophierens vollzog sich auf beiden Seiten mit formverwandten Schöpfungen. Die arabische Kultur ist bei dieser mittelalterlichen Assimilation der Antike mit ihren mohammedanisehen und ihren jüdischen Autoren zeitlich im Vorsprung34; sie wirkt seit Mitte des 12. Jahrhunderts auch im christlichen Kulturkreis als Vermittlerin griechischer Quellen durch Übersetzungen und durch vorbildliche Werke theistischen Philosophierens. Es ist durchaus wahrscheinlich, daß auch der Jude, der im Alltagsleben auf der Landstraße, beim Markt und in den Geschäftsstuben der geistlichen Grundherrschaft den christlichen Kleriker traf, eine größere Aufgeschlossenheit für religiöse Streitrede vorfand als sein Vorfahr. Für diese Bereitwilligkeit, an dem in jüdischer Schriftgelehrsamkeit geschulten Geschäftsfreund das eigene theologische Können zu erproben, ist ein englischer Disputationsbericht typisch35: am Ende des 11. Jahrhunderts wurde er von Guilbert, Abt von Westminster, dem Erzbischof Anselm von Canterbury gewidmet, mit welchem das scholastische Philosophieren des Abendlands recht eigentlich angefangen hat. Im Widmungsbrief spricht der Abt von dem wirklichen Streitgespräch, das diese literarische Arbeit veranlaßt hat. Er kennt von seinem Gegner zwar nicht den Geburtsort, weiß aber, daß er in Mainz ausgebildet worden war. Der Jude kam häufiger in das vornehme Kloster, weil er dort nicht 83 H. Reuter, Geschichte der religiösen Aufklärung im Mittelalter, Bd. 1, (Berlin 1875) S. 154ff, 34 Über die Anfänge der Religionsgespräche in Lehen und Literatur des arabischen Kulturbereiches, J. Guttmann, Die Philosophie des Judentums, München 1933, S. 60f. 35 Migne P.L. 159 col. 1005ff. 26