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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 399

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Die Stellung des Judentums im Dialogus des Peter Abaelard
Date
1939-01-01
Page
Seite 399 (sequence 10)
Language
German
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IRI
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Die Stellung des Judentums im Dialogus des Peter Abaelard 399 positive Satzung des Staates. So wurde im apologetischen Zusammenhang der paulinische Geist zur Vernunft; die christliche Stufe der Heilsgeschichte bekam für ihre Wertlehre jenen rationalen Gehalt, der die Assimilation der antiken Philosopheme gestattete, wie sie der mittelalterliche Gelehrte von der Art Abaelards in den vielen Zitaten seiner kirchlichen Klassiker Ambrosius, Hieronymus und Augustin vorfand. Abaelard, der Philosoph, hatte von sich aus ein starkes Interesse an dieser Verbindung christlicher Theologie mit altheidnischer Weisheit; er stutzte die patristischen Parallelen in seiner Weise zu und fand in der natürlichen Welterkenntnis der platonischen Weltlehre die Theorie einer Verbindung von Gott und Schöpfung, die er als Vorstufe der christlichen Dreieinigkeitslehre und damit als klassisches Muster seiner eigenen philosophisehen Beschäftigung mit dem christlichen Dogma auffaßte. Dadurch gewann für ihn jene patristische Epochenlehre der Heilsgeschickte eine besondere Bedeutung; er formte sie neu als Ordnungsschema, das dem Nebeneinander der Wahrheiten aus jüdisehen, heidnischen und christlichen Quellen jenen Sinn gab, der sein eigenes Tun rechtfertigte: Neben das jüdische Gesetz ist für ihn die antike Erkenntnis getreten, die durch keine nationalen Grenzen eingeschränkt ist, das Jenseits mit umspannt und an die Erkenntnis der Dreieinigkeit heranreicht; die Menschwerdung Gottes im Neuen Bund hat dann die endgültige Offenbarung gebracht. Vielleicht kann man über die Feststellungen quellenmäßiger Zusammenhänge zwischen Abaelard und der Patristik hinaus noch etwas näher an die Frage herankommen, warum eigentlich der Dialog das Judentum so ausführlich und mit so sorgfältig durchdachten Darlegungen zu Wort kommen läßt. Ein Vergleich wird diese besondere Eigentümlichkeit der Schrift Abaelards noch deutlicher machen: Rund 100 Jahre früher hatte der italienische Mönchskardinal Petrus Damiani, der sowohl als Asket wie als Kirchenpolitiker eine bedeutende Stellung in der religiösen Bewegung um 1050 einnahm, eine ganz anders geartete Streitschrift wider die Juden geschrieben. Er widmete sie seinem Freunde

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