Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Die Stellung des Judentums im Dialogus des Peter Abaelard
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 397 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Stellung des Judentums im Dialogus des Peter Abaelard 397 zielt, deren Verkündung der Hauptzweck der Predigt Christi gewesen ist24. Der Bekenner des Neuen Testaments zeigt von vornherein sein Interesse an der vernunftmäßigen Erforschung des Glaubens; er ist stolz darauf, daß man die Rechtmäßigkeit dieses Tuns aus dem Schrifttum der Kirche erweisen kann25. Im Sinn dieser Festste!־ lungen verläuft die ganze Gesprächsführung in diesem zweiten Teil. Die Begriffskunst des Philosophen wird dazu verwandt, um das vom Christen vorgelegte Problem des höchsten Gutes mit Genauigkeit auseinanderzulegen26. Es wird eine Systematik von Tugenden, die als Stufen zum höchsten Gut führen, entwickelt. In der Diskussion betont der Christ die Ausrichtung des menschliehen Willens auf Gott stärker als der Gegner: Wenn der Philosoph die Auferstehung des Fleisches als überflüssig für die ewige Glück- Seligkeit kennzeichnet, verteidigt der Christ sie als großes Beweisstück göttlicher Allmacht, welche diesen Träger irdischer Leiden- Schaft zum Gefäß himmlischer Geistigkeit umzuschaffen vermag27. Im Methodischen weist der Christ auf die Grenzen der Vernunft- Wissenschaft hin, wenn der Philosoph versucht, Begriffsunterscheidüngen, wie Zufälligkeit und Wesenhaftigkeit der Eigenschaften, auf die selige Gottesschau anzuwenden28. Aber die Gemeinsamkeit der Anschauungen im ganzen ist stärker als die Gegensätze im einzelnen: Als schließlich der Vertreter der Vernunftwissenschaft die Frage auf wirft, ob die Verbindung der Seligen mit Gott nur an einem bestimmten Orte möglich sei, wird der Christ selbst zum philosophischen Erklärer seiner Glaubenslehre; er wehrt die räumliehe Auffassung des Himmelreichs ab und bestreitet, daß man den Ort der ewigen Strafen physisch auffassen soll29. Alle Einwände gegen seine Auffassung vom Bibeltext her lehnt er mit der Bemerkung ab, daß nicht das Wortverständnis nach Judenart, sondern die mystische Deutung, die auf den Sinn geht, Geltung habe30. Wir können also sagen, der Sinn des Dialogs liegt in dem Nachweis, daß die christliche Religion die Daseinsziele des Men- 24 1644. — 25 1641 C. — 26 1657 D. — 27 1664 A. — 28 1663 B/C. — 29 1664 Dff. — 39 1668 B.