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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 395

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Die Stellung des Judentums im Dialogus des Peter Abaelard
Date
1939-01-01
Page
Seite 395 (sequence 6)
Language
German
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IRI
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Die Stellung des Judentums im Dialogus des Peter Abaelard 395 figer und deutlicher im Gesetz zu finden sind als Verheißungen, die auf die Ewigkeit zielen, so ist das in der Erziehungsabsicht Gottes gegenüber einem auf das Irdische gerichteten und widerspenstigen Volk begründet, das eben von den Reichtümern Ägyptens weg in die Wüste geführt war18. Einen weiteren grundsätzlichen Angriff auf den religiösen Wert des Judentums sieht dessen Vertreter in jener Feststellung des Philosophen, daß das jüdische Gesetz nur eine bestimmte Menschengruppe in das Bundes Verhältnis zu Gott gebracht hat. Der Jude bringt die Entgegnung, daß sein Glaube viele Bekenner aus dem Heidentum gehabt habe, die von Haus aus durch nichts anderes mit ihm verbunden waren, als durch die angeborene sittliche Anlage19. Auf diese Weise möchte der jüdische Sprecher die Erscheinung des Hiob erklären, für den er dann die fernere Verbindung mit dem Judentum aufweist, daß Hiob als Nachkomme Ismaels die Beschneidung am Körper getragen habe. Mit diesem Argument, daß Abraham auf Gottes Weisung auch für die Familie des Hagarsohns die Beschneidung gestiftet habe, wendet sich der Jude mehr persönlich an den Philosophen; er erinnert ihn daran, daß gerade bei seiner Nation der Brauch der Beschneidung im 12. Jahr noch in Geltung sei20. Man sieht, deutlich, Abaelard hat bei diesem das Gespräch zwischen Juden und Philosoph abschließenden Gegenstand des Partikularismus seinem Juden nur eine ausweichende Antwort in den Mund gelegt: Bei der Frage der Begründung religiöser und sittlicher Normen hatte der Verfechter des Alten Bundes dem Vernunftglauben des andern seinen eigenen Glauben an die göttliehe Autorität klar entgegengestellt; der Leugnung geistiger und ethischer Gehalte war er mit beweiskräftigen Stellen aus der Tora entgegengetreten. Aber auf die grundsätzliche Feststellung, daß eine Offenbarung, die sich ihrer Natur nach nur an einen bestimmten Kreis wendet, keine allgemeine religiöse Verbindlichkeit haben kann, geht Abaelards Jude gar nicht ein. In seinen vorhergehenden Ausführungen über den Sinn der Tora21 hatte sich in gewissen 18 1628 B. — 19 1626 A. — 20 1 628 A. — 21 1618 Dff.

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