Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Die Stellung des Judentums im Dialogus des Peter Abaelard
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 394 (sequence 5)
- Language
- German
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394 Hane Israel Liebesehüttf vor ihnen besaß. Von der Ewigkeit dieser Beziehung zwischen Gott und Israel her ergibt sich die Erwiderung des Judentums auf den Vorwurf, das jüdische Gesetz hätte nichts zu tun mit dem geistigen Wesen und dem ewigen Heil des Menschen14. Welche Bedeutung könnte der Name ״auserwähltes Volk Gottes“ und die Verleihung eines Gesetzes, dessen Erfüllung heilig macht, haben, wenn nur die Freuden dieses Lebens damit verbunden wären? Wie kann die Heiligung und selige Unsterblichkeit den Heiden offenstehen und dem auserwählten Volk verschlossen sein? Im engen Zusammenhang mit diesen Ausführungen verteidigt im Dialog der Jude den religiösen Wert des Gesetzes; er tut das mit dem ewigen Motiv des Gebotes der Liebe zu Gott und zum Nächsten15. Er zitiert die klassische Stelle aus dem Deuteronomium (10, 12—15) und gibt die Vorschriften, welche dies Gesetz der Nächstenliebe auf den Fremdling ausdehnen (Leviticus XIX, 33—34) und diejenigen, die den Menschen anhalten, auch dem Tier seines Gegners Schutz zu bieten (Exod. 23, 4). Aus diesen Texten soll der Philosoph erkennen, wie weit das biblische Gesetz die Gottes- und Menschenliebe erstreckt und wie sehr auf diese Weise die ganze Ethik der natürlichen Vernunft im jüdischen Gesetz enthalten ist. Demgegenüber erscheint es dem Sprecher des Judentums ohne Bedeutung zu sein, wenn irgendeine denkbare sittliche Norm dort nicht ausdrücklich erwähnt ist16. Aus der Tatsache, daß die Tora bei ihrer Heiligkeitsforderung einen weiten Bezirk der Gottes- und Menschenliebe umschreibt, folgert dann der Jude bei Abaelard die Verheißung der ewigen Seligkeit als logisch zugehörig. Die Versprechungen irdischen Wohlergehens aber gehören nach seinen Ausführungen zu den zusätzlichen Vorschriften des Ritus, mit denen das jüdische Leben durch das biblische Gesetz eingeengt worden ist17. Wenn Gott Versprechungen dieser Art macht, will er dadurch den Mut und das Vertrauen der Frommen heben, während die Ungläubigen ringsum durch den Anblick eines glückhaften Daseins sich desto eher zum echten Kult ermuntert fühlen sollen. Wenn aber die Versprechungen irdischer Belohnung so viel haui* 1624 A. — 15 1626ff. — 1627 D. — 1628 ״ A/B.