Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Die Stellung des Judentums im Dialogus des Peter Abaelard
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 393 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Stellung des Judentums im Dialogus des Peter Abaelard 393 in Aussicht gestellt; keine Segnung der Seele im Geist wird erwähnt und damit ganz und gar ausgelassen, was am wichtigsten für den Menschen ist. Der zweite große Einwand, den der Philosoph gegen das Gesetz erhebt, richtet sich gegen die Behauptung der religiösen Notwendigkeit seines Daseins12. Es handelt sich dabei um die Tatsache, daß die Tora ihre Anforderungen nur an einen beschränkten Menschenkreis richtet; ihr Gültigkeitsbereich ist auf das jüdische Volk begrenzt. Andererseits aber liest man im Alten Testament selbst von Männern wie Hiob, die ohne Bindung an die schon vorhandene jüdische Gesetzgebung als fromme Menschen vor Gott gewandelt haben. Daraus ergibt sich nach der Meinung des Philosophen die Folgerung, daß das Ritualgesetz, die eigentlich jüdische Ordnung, mit seinen vielen Vorschriften nur die Möglichkeiten der Übertretung vermehrt hat, sein Joch aber für keinen Menschen heilsnotwendig sei, weil zu allen Zeiten Menschen außerhalb seiner an das gottgewollte Ziel gelangt sind. Der Jude antwortet mit Ausführungen, die den Sinn seines Gesetzes schärfer herausarbeiten sollen: Schon Abraham wurde aus seiner Heimat in ein anderes Land geführt, das ihm und seinen Nachkommen als Erbe gegeben wurde, damit er dort von den Heiden abgesondert leben sollte. In diesem Sinn hat Gott die Juden durch körperliche und sichtbare Werke der Gesetzeserfüllung abgesondert, damit sie um so weniger von den Ungläubigen verdorben werden könnten13. Ehe und Tischgemeinschaft aber schaffen die stärksten Bande zwischen Menschen; neben den Speisegeboten ist die Beschneidung eingesetzt, um solche Beziehungen nicht entstehen zu lassen. Denn dieser Eingriff erscheint den Völkern so scheußlich, daß sie den Juden auch dann nicht ihre Mädchen in die Ehe geben würden, wenn diese es wünschen würden. Aber über diese praktische Bedeutung hinaus ist die Beschneidung bedeutsam als der eigentliche Anfang einer Verbindung zwischen Gott und Menschen. Nur durch sie, welche die Erzeugung weiht, haben die Hebräer den ewigen Bund mit Gott erworben, den kein Mensch 12 1622 B. — 13 1623 B—D.