Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Gnostische Motive im rabbinischen Schrifttum
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 387 (sequence 19)
- Language
- German
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Gnostische Motive im rabbinischen Schrifttum 387 Verborgenseins nicht auf den Erlöser, sondern gilt von den Gütern der jenseitigen Welt überhaupt. Das Verborgensein der ,,Schätze“ der zukünftigen Welt (ä. Hen 46 3, 103 2-3נ syr. Bar. 5413, IVEsra 712i, 852ff.) verbindet sich so mit dem biblischen Lohnmotiv. Die verborgenen Güter sind hier die für die Frommen als Lohn aufgesparten Güter der Seligkeit. Da die Heilsgüter (Leben, Weisheit, Freude, Ehre) ihrem Wesen nach, wie die Gnosis lehrt, prinzipiell nicht ,,von dieser Welt“, vielmehr jenseitig und verborgen sind, mußte eine Verlagerung der Lohnerwartung auf das Himmelreich erfolgen. Die Gnosis hat so zweifellos die Verjenseitigung des Lohngedankens in der Apokalyptik gefördert. In der rabbinischen Literatur ist ein Gleiches vor sich gegangen. In Jalk. Jes. § 499 wird uns ein größeres apokalyptisches Stück überliefert, in dem es heißt: Gott sah das Licht, daß es gut sei — dies lehrt, daß Gott auf das Zeitalter des Messias und seine Taten blickte, bevor die Welt erschaffen wurde, und daß er den Messias und sein Zeitalter unter dem Thron seiner Herrlichkeit verbarg. Da sprach der Satan vor Gott: Herr der Welt, für wen ist das Licht bestimmt, das unter dem Thron deiner Herrlichkeit verborgen ist? Gott sprach zu ihm: Für den, der dich dereinst zurückweisen und beschämen wird. Der Satan bat: Herr der Welt, laß mich ihn schauen. Gott sprach: Komm und schaue ihn. Da er ihn sah, erbebte er, fiel auf sein Angesicht und sprach: Gewißlich ist dies der Messias, der einst mich und alle Fürsten der Götzendiener in die Hölle stürzen wird. Auch hier verbindet sich mit der Vorstellung des verborgenen Messias die Lehre von seiner Präexistenz, was um so bemerkenswerter ist, als sonst das rabbinische Schrifttum nur von der Präexistenz des Namens des Messias, nicht aber des Messias selbst spricht (vgl. Dalman, a. a. O.). In zahlreichen aggadischen Stellen wird sowohl das Verborgensein wie das Aufgespart- und Bereitetsein der himmlischen Heilsgüter gelehrt. Die Doppelbedeutung des hebräischen ־צפן (verbergen und bewahren) kam dem Prozeß der Verschmelzung des gnostischen Motivs (Verborgensein) mit dem schlicht-jüdischen (Aufbewahrtsein des Lohnes) entgegen. Wenn es Ps 3120 heißt: ״Wie groß ist 25*