Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Gnostische Motive im rabbinischen Schrifttum
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 386 (sequence 18)
- Language
- German
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386 Alexander Israel Altmann Orte schauten meine Augen den Auserwählten der Gerechtigkeit und Treue . . . Ich sah seine Wohnung unter den ]Fittichen des Herrn der Geister. Alle Gerechten und Auserwählten vor ihm glänzen wie Feuerschein“ (ä. Hen 39eff.). ״Denn der Menschensohn war vorher verborgen, und der Höchste hat ihn . . . den Auserwählten geoffenbart“ (ä. Hen 62 7). ״Zu diesem Zweck war er auserwählt und verborgen vor ihm . . . Die Weisheit des Herrn der Geister hat ihn den Heiligen und Gerechten geoffenbart“ (ä. Hen. 486ff.). ״Denn mein Sohn wird sich offenbaren samt allen bei ihm“ (IV Esra 728). ״Da wird der Höchste sprechen zu den Yölkern, die erweckt sind: Nun schauet und erkennet den, den ihr geleugnet“ (IV Esra 737). Das Motiv der Präexistenz, das sich ä. Hen 48 6 mit dem der Verborgenheit verbindet (״zu diesem Zweck war er auserwählt und verborgen vor ihm, bevor die Welt geschaffen wurde“), darf damit nicht verwechselt werden. (Auf den religionsgeschichtlichen Ursprung der Präexistenzlehre kann hier nicht eingegangen werden; vgl. hierzu Harnack, Lehrb. d. Dogmengeschichte I4 S. 115ff., Beigabe I S. 797ff., dagegen Dalman, Worte Jesu I2 1930, S. 104ff.) An den genannten Stellen geht es nicht so sehr um die Präexistenz des Messias vor der Welt- Schöpfung, sondern um seine verborgene Existenz im Himmel. Dieses Motiv des Verborgenseins ist, wie gezeigt, typisch gnostisch. Aus der jüdischen Lehre von dem ״am Ende der Tage“ auftretenden Messias wurde unter gnostisehem Einfluß die Vorstellung von dem bereits jetzt in der oberen Welt verborgenen Menschensohn. Er wird ״am Ende der Tage“ herabsteigen und sich offenbaren. Diese Verbindung des, gnostisch-kosmischen mit dem jüdischgeschichtlichen Erlösungsmotiv bringt in das Moment des Verborgenseins einen neuen Zug: den des Aufgespart־, Bereitetseins. Der verborgene Messias wird zu dem für die Erlösung ״Aufgesparten“, ״Bereiteten“. ״Denn der Menschensohn war vorher ver״ borgen, und der Höchste hat ihn vor seiner Macht auf bewahrt“ (ä. Hen 62 ״ .(דDas ist der Gesalbte, den der Höchste bewahrt hat für das Ende der Tage“ (IV Esra 12 32). Ebenso IV Esra 1236, 13 52, 14 g. Wie in der Gnosis beschränkt sich aber die Qualität des