Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Gnostische Motive im rabbinischen Schrifttum
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 385 (sequence 17)
- Language
- German
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Gnostische Motive im rabbiaischen Schrifttum 385 der oberen Lichtwelt und dieser Welt der Finsternis wird darin ausgedrüekt, daß die der Licbtwelt zugehörigen Mächte den Machten der Finsternis fremd, unzugänglich, verborgen sind. Mit der Qualität des Verborgenseins berührt sich aufs engste die des Fremdseins. An der bereits zitierten Stelle Ginza 325 wird gesagt, daß die verborgenen Reden solche sind, die der Welt fremd sind. Der Erlöser steigt unerkannt, nur den Seinen erkennbar, aus den Lichtwelten in die irdische Finsternis herab. ״Sie bemerkten mich nicht, erkannten mich nicht und kümmerten sich nicht um mich“ (Mand. Liturgien, ed. Lidzb. 203). Die bösen Sieben ״tuscheln und sprechen: Woher ist dieser fremde Mann, dessen Rede nicht unserer Rede gleicht?“ (ebenda 224; vgl. hierzu Bultmann, ZNW 1925, 24, S. 119ff., Jonas S. 122ff.). Verborgenheit ist aber hier nicht nur die gegebene Nichtzugänglichkeit und Fremdheit des Oberen gegenüber dem Unteren, sondern auch die Verhüllung, die den in die Finsternis Hinabsteigenden vor dem Zugriff der dämo׳־ nischen Mächte schützen soll. Der ״Gesandte“ ist in das Gewand der irdischen Welt gekleidet, um den Weltmächten als einer ihresgleichen zu erscheinen und so verborgen zu bleiben. Beides ist aus dem Grundgedanken des gnostischen Erlösüngsmythos gefordert (vgl. Bultmann, a. a. O., 120; dort auch Literatur zum Motiv des unerkannten Erlösers S. 121Wie immer man die Verborgenheit erklärt, sie ist jedenfalls Ausdruck der unversöhnlichen Spannung zwischen den Welten. Sie darf nicht verwechselt werden mit dem Begriff des Mysteriums als eines esoterischen Wissens überhaupt, sondern hat den spezifisch gnostischen Sinn der Spannung zwischen Licht und Finsternis. Der Erlöser, der sich in die Welt begibt, kommt ausgestattet ״mit der Kraft des hohen Lichtkönigs“ (Ginza 48), mit Siegeln, Reden, Gewändern, Mysterien, deren fremde, verborgene Kraft die Erwählten aus der Welt heraus erlösen soll. In der jüdischen Apokalyptik wird das gnostische Motiv der Verborgenheit übernommen. Es verbindet sich hier mit der jüdisehen Gestalt des Messias, der nun zum verborgenen, den Blicken der Welt entzogen im Himmel weilenden Messias wird. ״An jenem 25