Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Gnostische Motive im rabbinischen Schrifttum
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 383 (sequence 15)
- Language
- German
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Gnostische Motive im rahbinischen Schrifttum 383 Menschenwelt wird erst auf dem Hintergrund des gnostischen Spannungsbewußtseins von oberer Lichtwelt und irdischer Welt der Finsternis als ein schlechthin Gnadenhaftes erlebt und in den zahlreichen aggadischen Bildern vom Aufstieg Moschehs in den Himmel, dem Protest der Engel (in Analogie zu der den Durchzug der Erlösungsmächte wehrenden Feindschaft der gnostischen Pianetenengel), dem schließlichen Erringen der Tora gestaltet. (Keineswegs kann die Formel von der ״Pflanzung“ des ewigen Lebens Tora aus dem in b. Chag. 3 b gelehrten Vergleich erwachsen sein, wie dies von Tur 0. Chaj. 139 mit der Einschränkung auf תושב״פ in geistvoller, aber künstlicher Konstruktion vertreten wird.) Der Begriff der Pflanzung wird sodann von den Rabbinen in völliger Überwindung der gnostischen Konzeption auf die Schöpfung überhaupt ausgedehnt. Jedes Ding der Welt wird so als Pflanzung (נטיעה) bezeichnet. Solcher Sprachgebrauch liegt vor, wenn gesagt wird: ,,Heil den Propheten, daß sie das Gebilde dem Bildner, die Pflanzung dem Pflanzer vergleichen durften“ (Midr. Ps 14, 14 x; vgl. Buber Ps 1 Anm. 48). An die Stelle der gnostischen Spannung tritt damit die jüdische Lehre von der Analogie. Auch der apokalyptische Gedanke, daß Israel Gottes ,,einziges Eigentum in der Welt“ sei, wird überwunden, wenn, offenbar polemisch, gelehrt wird: 4 Dinge hat Gott in der Welt zu eigen, Tora, Himmel und Erde, das Heiligtum, Israel (b. Pes. 87 b; Abot VI, 10 erhöht sich die Zahl unter Hinzufügung von Abraham auf 5). Während die Apokalyptik das gnostische Motiv der Pflanzung strukturell unverändert übernimmt, erfährt es also in der rabbinischen Literatur eine grundsätzliche Judaisierung. d) Das Motiv des ,,Verborgenseins“ Es scheint in der Interpretation der Gnosis die große Rolle, die das Motiv des ,,Verborgenseins“ spielt, noch nicht recht beachtet worden zu sein. Alle der Lichtwelt angehörenden Mächte (Personen und Dinge) erhalten in der mandäischen Literatur mit Vorhebe das Epitheton ,,verborgen“. Ginza 70 (74): ״Er schuf dir Herrschaft über die verborgenen Uthras, die dastehen und das ge-