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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 382

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Gnostische Motive im rabbinischen Schrifttum
Date
1939-01-01
Page
Seite 382 (sequence 14)
Language
German
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382 Alexander Israel Altmann. ,,Leben für die Welt“ ist, in den Speicher eingebracht (vgl. ebenda 214). Jalk. Jes. § 452: ״Ein König hatte viele Tennen, die alle schmutzig und voller Stoppeln waren. Auf deren Zahl legte der König kein Augenmerk. Er hatte aber noch eine schöne Tenne . , Auf sie hieß er den Sohn des Hauses achten. Die Tenne, das ist Israel, b. Joma 38 b: Gott sah, daß der Frommen wenige sind, da stand er auf und pflanzte sie in jedes Zeitalter. Der gnostischapokalyptische Pessimismus schimmert hier noch durch, aber wird überwunden. Die geringe Zahl der Guten in der Welt bedeutet nicht die Preisgabe der Welt. Vielmehr teilt Gott es so ein, daß jede Generation eine Mindestzahl von Gerechten besitzt, die die ganze Welt durch ihr Verdienst erhalten. Der rabbinische Gedanke vom Bestehen der Welt auf den wenigen Erlesenen ist der jüdische Protest gegen die radikale Verneinung und Preisgabe der Welt in der Gnosis und Apokalyptik. Über die Zahl der für den Weltbestand notwendigen Frommen schwanken die Meinungen. Nach b. Chullin 92 a (b. Sanh. 96 b) steht die Welt auf 45 Gerechten, nach b. Sukka 45 b auf 36, nach Gen. r. 49 3 (Pes. Buber 88 a) auf 30, nach b. Joma 38 b selbst nur auf einem einzigen Frommen (vgl. auch b. Sukka 45 b, b. Sanh. 97 b den Anspruch des R. Schimon b. Jochai, hierzu Bacher, Aggada d. Tan. II 74, 75!). — Daß Israel in die Völkerwelt hinausgestoßen wurde, wird in Umdeutung von Hosea 225 als ein ״Aussäen in die Welt“ erklärt. Hier erhält das gnostisch-apokalyptische Bild in polemischer Wendung einen völlig weltbejahenden Sinn. ״Gott hat Israel unter die Völker verbannt, damit sich ihnen Proselyten anschließen. Wer ein Sea aussät, erwartet doch in der Regel viele Kor“ (b. Pes. 87 b). — Die Formel der Beracha über die Tora ״der uns die Lehre der Wahrheit gegeben und ewiges Leben in unsere Mitte gepflanzt hat“ hat ebenfalls ihre Parallele in der gnostischen Vorstellung, die das Mänä des Lebens in die Welt der Finsternis gepflanzt sein läßt. Die Formel hat ursprünglich ausführlicher und noch stärker an die Gnosis anklingend gelautet, wenn man die in Sofrim 13 8 überlieferte LA für älter anzunehmen geneigt ist. Dort lautet sie: אשר בתן לבו תורה מן השמים חיי עולם ממרומים. Die Gabe der Tora an die

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