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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 380

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Gnostische Motive im rabbinischen Schrifttum
Date
1939-01-01
Page
Seite 380 (sequence 12)
Language
German
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380 Alexan der Israel Altmann darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß hier ein neuer Ton in den alten Metaphern schwingt. In der biblischen Sprache drücken diese Bilder den Gedanken aus, daß Israel eine besondere Schöpfung Gottes ist. Sie sind nicht mehr als Symbole der Erwählung. ״Ich habe dich, eine edle Rebe, ganz aus echtem Samen gepflanzt“ (Jer 221). Auch wenn gerügt wird, daß die Pflanzung Gottes mißraten ist, ist der Horizont der ursprünglichen Anschauung nicht überschritten. In der mandäischen Literatur wird dieses Bild in den Dienst einer neuen Weltkonzeption gestellt. Zugrunde liegt die Vorstellung zweier wesensverschiedener Welten, der finsteren und der lichten. Der himmlische Pflanzer, der seine Samen in die Finsternis sät, ist ein Bild für das Paradoxon, daß es Erleuchtete, Erlösungssehnsüchtige auch in dieser Welt gibt. Neben dem Bild von der Pflanzung steht hier noch ein anderes: das Hangen der in die Finsternis Verschlagenen an der ,,großen Wurzel“ des Lebens, des Lichtes, des Segens (Ginza 66, 77, 117, 134, 323). Das Gegenbild ist ״die Wurzel der Finsternis“ (Ginza 313, 319). Auch das mythische Bild von der TJrfrucht gehört hierher, ״Als die Frucht noch in der Frucht war, als der große Mänä der Herrlichkeit da war . . ., da kamen aus ihr hervor tausendmaltausend Früchte ohne Ende“ (Ginza 63, 65). Pflanzung, Wurzel, Urfrucht, dies alles ist ein Welt jenseitiges. Von draußen her tritt es in die Welt der Finsternis ein,Leben, angesiedelt im ״hinfälligen Haus“ des Todes. ״Die Kinder der Finsternis vergehen, doch die Kinder des gewaltigen Lebens haben Bestand“ (Ginza 78). Die Apokalyptik steht unter dem Eindruck dieser gnostischen Konzeption. Sie verwendet die Bilder von der Pflanzung, vom Weinstock natürlich mit Bezug auf Israel, aber auf dem Hintergrund der gnostischen Spannungen, nicht mehr naiv, sondern als ein Paradoxon. Sie übernimmt die Rede von dem ״Gesätsein in die Welt“. Diese Welt ist ein schlechter Saatboden für das Himmlische. Die Pflanzung ist daher eben um ihres Inderweltseins willen gefährdet. Aus dem sittlichen Schuldprinzip der Propheten, die den bösen Weinstock Israel geißeln, ist ein Schicksalsmotiv geworden. Nur wenige können in dieser Welt gut gedeihen. Die

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