Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Gnostische Motive im rabbinischen Schrifttum
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 379 (sequence 11)
- Language
- German
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G-nostisclie Motiv© im rabbinisclieii Schrifttum 379 unverkennbar polemische Trostsatz des R. Elasar (b. Ber.32a): ,,Seit dem Tag, da das Heiligtum zerstört 1wurde, ist die eiserne Mauer zwischen Israel und seinem Vater im Himmel niedergerissen.“ Unbildlich, rein begrifflich, schwingt das gnostische Trennungsmotiv nach, wenn gesagt wird, die Sunden bewirkten eine Abscheidung (הבדלה) zwischen Gott und Israel (Pes. Buber 130b). Diese ,,Abscheidung“ ist nicht aus dem biblischen Anschauungsbild der Verstoßung, Ehescheidung zu erklären, sondern bezeichnet ein Abgetrenntsein, das einen Dualismus der Bereiche in sich schließt. Das Verlassenheitsgefühl der Generation der Tempel- Zerstörung kommt in den Bildern vom Abschließen der Himmelspforten zum Ausdruck. Die Riegel der Himmelstore schieben sich trennend zwischen Gott und das der Welt preisgegebene Israel. R. Elasar weiß auch hier jüdisch zu trösten: Mögen auch die Tore des Gebets verschlossen sein, die Tore der Tränen sind nicht verschlossen (b. B. Mez. 59 a). c) Das Motiv der ״Pflanzung“ In der mandäischen Literatur werden eine Reihe biblischer Bilder und Begriffe zur Kennzeichnung des pneumatischen Mensehen, der Gläubigen ( Gemeinde der Mandäer) verwendet. So werden die Gläubigen als die ,,Auserwählten“ bezeichnet. Sie sind ferner die,,Pflanzungen“, die von oben her gepflanzt sind. ״Euch rufe ich zu, Pflanzen, die ich gepflanzt, Auserwählte, die ich auserwählt habe“ (Ginza 61). ״Ich habe mich in diese Welt begeben, um zu pflanzen des Lebens Pflanzung“, heißt es in einem ,,Der Pflanzer“ überschriebenen Stück des mandäischen Johannesbuches (Lidzb. 219). ,,Ich bin hergekommen, um den Ruf des Lebens zu rufen und den Stamm des Lebens aufzurütteln, um die Pflanzung der Erommen zu pflanzen“ (ebenda S. 220; vgl. auch Ginza 92, 241, 322, 331ff., 334ff., 511 u. a.). Die Mandäer bezeichnen sich ferner als Weinstock. ״Ich bin ein sanfter Rebstock, der ich aus dem Ort herrlicher Pracht gepflanzt wurde“ (Ginza 301, 326 u. a.). Der biblische Ursprung dieser Bilder (vgl. Scheftelowitz, Die mandäische Rel. u. das Judentum, MGWJ 1929, S. 216ff.)