Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 378

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Gnostische Motive im rabbinischen Schrifttum
Date
1939-01-01
Page
Seite 378 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2830039-2830041-2850795--56060-2851228
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

378 Alexander Israel Altmann Das gnostische Motiv wird also jüdisch widerlegt. Es heißt weiter: Und sofort läßt Gott den Geist gegen seinen Willen in den Samen eingehen. Schließlich, wenn seine Zeit gekommen ist, in die Welt hinauszugehen (לצאת לאדר העולם;, kommt sogleich jener Engel und spricht zum Kinde: Jetzt ist die Stunde gekommen, die deine Zeit ist, in die Welt hinauszutreten. Wieder aber antwortet das Kind mit der gnostischen Klage: Warum willst du mich hinausführen in die Welt? Der Engel sagt: Mein Kind, wisse, ohne deinen Willen wurdest du gebildet, und jetzt, wisse, ohne deinen Willen wirst du geboren, und ohne deinen Willen wirst du sterben, und ohne deinen Willen wirst du einst Rechenschaft ablegen vor dem König der Könige der Könige, dem Heiligen, er sei gesegnet (vgl. Abot IV, 29). Aber das Kind will nicht hinausgehen aus seiner Welt, bis der Engel es schlägt und ihm das Licht verlöscht, das zu seinen Häupten brennt, und gegen seinen Willen es herausführt in diese Welt. Sogleich vergißt das Kind, was es gesehen hat bei seinem Herausgehen und alles, was es weiß. (Das ,,Vergessen" ist ebenso ein gnostisches Motiv wie das Erlöschen des Lichts, das den Abstieg in die Welt der Finsternis symbolisiert.) Und warum weint das Kind bei seinem Hinausgehen? Weil es verloren hat den Ort der Ruhe und der Weite und um die Welt, die es verlassen hat. — Gnostischen Hintergrund hat auch die Übertragung des Klagemotivs auf das in der Verbannung schmachtende, von Gott abgeschnittene, der Welt preisgegebene Israel. Das Bild von der ,,Eisenmauer", das uns im mandäischen Schrifttum begegnet, taucht auch hier auf. (Vgl. Immanuel Löw, Das Eisen, in der Mittwoch-Festschrift MGWJ 1937, S. 53. —Die biblischen Stellen, an denen das Bild der eisernen Mauer gebraucht wird — Jer 118, 1520; Ezech 43 — verwenden es in durchaus anderem Sinne.) Elia z. (193 Friedmann) spricht von der Eisenmauer zwischen dem König und seinen Dienern. Ein kabbalistisches Gebet vor dem Abschlagen der Weidenbüschel enthält die Bitte: ,,Entferne die eiserne Scheidewand, die uns von dir trennt." Echt jüdische Reaktion auf das Motiv der trennenden Eisenmauer, das die mandäische Literatur in der Klage der Seele verwendet, ist der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.