Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Gnostische Motive im rabbinischen Schrifttum
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 376 (sequence 8)
- Language
- German
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376 Alexander Israel Altmann Glanzes bar“, ,,vom Lichte abgeschnitten“, aus der ,,Gemein- Schaft“ des Lebens ״fortgelassen“ (Ginza 194, 240ff.; vgl. auch Jonas 119). In ihrer Not fragt die klagende Seele nach Grund und Dauer ihres Schicksals. So in der oben erwähnten Klage Hibils oder in Ginza 486: ״Wer sandte mich in die Tibil und ließ mich in ihr wohnen?“ Die Wendung, die den Ursprung der Seele immer von neuem beschwört, ist die stereotype Einleitungsformel: ״Ein Mänä bin ich des großen Lebens“. Ginza 457: ״Ein Mänä bin ich des großen Lebens, Ein Mänä bin ich des gewaltigen Lebens, Wer hat mich in das Leid der Welt geworfen, Wer hat mich in die böse Finsternis versetzt?“ Die jüdische Apokalyptik nimmt das Motiv dieser gnostischen Klage auf. Irdisches Dasein wird ihr gleichbedeutend mit Verstricktsein in eine Welt des Bösen, der Sünde, des Verhängnisses. Die Klage über Schöpfung und Geburt des Menschen ist nicht mehr, wie bei Hiob und Jeremias, Verwünschung des Lebens um seiner unerträglichen Not willen, sondern wegen seines Verhaftetseins in die Sünde. Das Dasein in ״dieser Welt“ ist notwendig ein Sündenbeladenes. IV Esra 412: ״Besser wäre es, wir wären nie in die Welt gekommen, als nun in Sünden zu leben und zu leiden und nicht zu wissen weshalb.“ ״Denn alle, die geboren sind, sind von Gottlosigkeiten entstellt, voll von Sünden, mit Schuld beladen“ (IV Esra 7 68> 817). Der Gedanke der Erbsünde wächst aus diesem gnostisch inspirierten Motivkreis: ,,Denn um seines bösen Herzens willen geriet der erste Adam in Sünde und Schuld und ebenso alle, die von ihm geboren sind. So ward die Krankheit dauernd. Das Gesetz war zwar im Herzen des Volkes, aber zusammen mit dem bösen Keim. So schwand, was gut ist, aber das Böse blieb“ (IV Esra 321. 22931 יff.). Als die eigentliche Macht des Irdischen gilt das ״böse Herz“. Die Frage, ״woher das böse Herz kommt“ (IV Esra 44) wird nicht beantwortet. Das böse Herz ist da. Es ist das Wesen dieser Welt (748). Die dämonische Verfallenheit des zur Welt Gehörigen kommt darin zum Ausdruck, daß Gott das Böse gewähren läßt. Gott greift nicht entscheidend in diese Welt ein. Die Nachkommen Adams ״wandelten gottlos und fielen von Dir ab. Du aber