Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Gnostische Motive im rabbinischen Schrifttum
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 375 (sequence 7)
- Language
- German
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Gnostische Motive im rabbinischen Schrifttum 375 b) Die gnostische Klage: Warum ließest Du mich in der Welt wohnen? — Das Abgeschnittensein Das Schicksal der in die Finsternis geworfenen Lichtseele, ihre Gefangenschaft in der unteren Welt, ihre Sehnsucht nach der Heimat hat in der mandäischen Literatur eine ganze Gattung von Klageliedern hervorgebracht, die im Vergleich mit anderen Gattungen von Klageliedern (etwa den biblischen) als ein eigener Typus bezeichnet werden muß. Das Charakteristische ist hier die Spannung zwischen dem ,, Geworfensein<c in die Fremde und dem Heimweh nach dem Ursprungsort (vgl. Jonas S. 106ff., 109ff.). Die Angst, in der das in die Welt verschlagene Leben zittert, ist die Angst vor dem , ,Abgeschnittenwerden*‘. Dieser Motivkreis ist offenbar ein ganz anderer als der in den biblischen Klageliedern, die ein geschichtliches Unglück, die Vernichtung des jüdischen Staatswesens, die Zerstörung des Tempels und die Verbannung des Volkes beweinen. Aber auch mit der Klage Hiobs (Kap. 3) und Jeremias (2014ff.) ist die gnostische nicht zusammenzustellen. Nicht die Tatsache des Daseins als solchem wird in der Gnosis beklagt oder verwünscht, sondern das Geworfensein des Lebens in die Welt des Todes. Nicht das Sterben als die Erlösung vom Schmerz des Daseins wird ersehnt, sondern die Heimkehr in den Ort des Lebens. In endloser Monotonie schüttet die Seele immer wieder die Variationen der gleichen Klage aus. (Man vergleiche insbesondere die Partien Ginza S. 328 ff., 453—504. Beispiele für Klagen der Pistis Sophia bei Jonas S. 112.) ״Eine Seele habe ich in der Tibil . . . Siehe die Eisenmauer, die wie ein Kranz die Welt umgibt . . . Und keine Bresche ist in sie geschlagen . . .“ (Ginza 550ff.). An Stelle des Bildes der Eisenmauer werden auch andere Bilder gebraucht: das große Meer, das zwischen der Lichtwelt und dem Ort der Seele brandet, der dammlose Fluß, das Wachthaus, das die Seele gefangen hält, die Feuerbrände, die Doppelgruben, der hohe Berg, die im Wege stehen (ebenda). Die große Gefahr ist die des ,,Abgeschnittenseins“ vom Licht. Ptahil, der die Stämme in der Welt der Finsternis vom Lichte abschnitt, wurde selbst ,,des