Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Gnostische Motive im rabbinischen Schrifttum
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 374 (sequence 6)
- Language
- German
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374 Alexander Israel Altmann verschiedenen Räumen ihre Seligkeit empfangen. Ihnen entsprechen sieben Gruppen der Frevler, die in sieben Wohnstätten ihre Höllenstrafe entgegennehmen (vgl. hierzu IV Esra 7 g0, Kaminka, Beiträge zur Erkl. d. Esra-Apok. 41, 54ff.). Stärkste Berührung mit dem gnostischen Weltenmotiv zeigt ein in verschiedenen Rezensionen erhaltener, sicher alter Midrasch: Der Messias ist bereits geboren, aber die Winde warfen ihn in das große Meer. Dort weilt er vierhundert Jahre, achtzig Jahre schmachtet er an den Rauch- Stätten der Kinder Korachs und achtzig Jahre an den Toren Roms. Und hernach wird er alle großen Reiche durchwandern, bis die Zeit des Endes gekommen ist. (Über die Varianten vgl. Greßmann, Der Messias, S. 449ff., M. J. bin Gorion, Messiaslegenden, S. 61.) In der mandäischen Literatur sagt Anös Uthra: ,,Ich wanderte durch Generationen und Welten, bis ich zum Tor von Jerusalem gelangte“ (Johannesbuch, ed. Lidzb. S. 243). Joh. 19 6ff. lautet Hibils Klage: ״Wie lange soll ich einhergehen und wie lange sinken innerhalb aller Welten? Wie lange soll ich die bösen Geister niederhalten? Wie lange soll es dunkel, wie lange hell werden, und wie lange soll ich Perlen dem Vergänglichen überlassen?“ Wie der gnostische Erlöser durch die unermeßliche Reihe der finsteren Welten und Generationen, so wandert der jüdische Messias durch die Reiche. Was in der Gnosis der Kosmos als solcher ist, der ״große Strafort“, in den die Seele hinabgeworfen ist (vgl. Reitzenstein, Das mandäische Buch des Herrn der Größe, SHAW 1919, Abh. 12, S. 26), das ist für Israel die Welt der irdischen Reiche. So klagt bereits IV Esra 333: ״Ich habe die Völker hin- und herdurchwandert und sie im Glück gesehen, obwohl sie Deine Gebote vergessen hatten.“ Das biblische Fluchmotiv des Verbanntseins unter fremde Völker und des unstäten Gehetztseins gewann so in der gnostischen Beleuchtung neue Farbe. Galut ist Strafe ״für unsere Sünden“, aber zugleich auch Ausdruck der Weltsituation des Gottesvolkes überhaupt. In ״dieser Welt“ ist Galut notwendiges Schicksal. Wie die gnostische ״Seele“, so muß Israel und der Messias erst hindurchwandern durch ״diese Welt“.