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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 372

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Gnostische Motive im rabbinischen Schrifttum
Date
1939-01-01
Page
Seite 372 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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372 Alexander Israel Altmann Die Beziehung des rabbinisehen Denkens zur Gnosis kommt aber noch stärker als in der Verarbeitung größerer mythologischer Komplexe in dem zum Ausdruck, was wir mit Hans Jonas den ״charakteristischen Wort־ und Bildschatz gnostischer Literatur“ nennen möchten. Nicht der gesamte, von Jonas aufgewiesene Bestand der gnostischen ״Bede“ tritt uns in der jüdischen Literatur entgegen. Da die Struktur im ganzen hier eine andere ist, mußten eine Reihe von ״kleinen Ausdruckseinheiten“ ausfallen, die nicht in die Totalstruktur passen. Umso bemerkenswerter ist die Fest- Stellung, daß eine große Anzahl gnostischer Logoi, und zwar im spezifischen Klang des Gnostischen, anzutreffen sind. Es kommt allerdings darauf an, das Aufklingen der spezifisch gnostischen Tönung auch in den sprachlichen Elementen zu erfassen, die rein vokabelmäßig biblischen Ursprungs sind. So wie die hellenistische Gnosis relativ schwer als im Grunde ״ungriechisch“, der orientalisch-mythologischen Gnosis entstammend zu entlarven war, weil sie sich für orientalische Gedanken der griechischen Begriffsapparatur bediente (vgl. Jonas in seiner methodol. Einleitung), verhält es sich auch mit der jüdischen Gnosis. Auch hier muß erst hinter dem meist biblischen Sprachgewand der gnostische Motivkern erfaßt werden. Nicht nur die pseudepigraphische Apokalyptik, sondern auch weite Strecken der rabbinisehen Literatur stellen so den jüdischen Spezialfall einer gnostischen Pseudomorphose dar. Wir versuchen, im folgenden einige solcher gnostischer Motive in jüdischem Sprachgebrauch, und zwar sowohl in der von der Gnosis maßgeblich beeinflußten pseudepigraphischen Literatur wie auch im rabbinisehen Schrifttum nachzuweisen. a) Der Plural ״Welten“ Bereits die gnostische Begriffsbildung ״diese Welt — jene Welt“ erzeugt den Plural ״Welten“. Aber das gnostische Daseins- Verständnis, das vom Erleben der Dämonie, Unübersehbarkeit und labyrinthischen Verwirrung der Welt überwältigt ist, gebraucht den Plural auch zur Bezeichnung eben dieses Labyrinthischen (vgl. Jonas 98ff.). Der unseligen verwirrenden Vielfalt der ״Welten der

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