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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 371

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Gnostische Motive im rabbinischen Schrifttum
Date
1939-01-01
Page
Seite 371 (sequence 3)
Language
German
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Gnostisclie Motiv© im rabbinisclietL Schrifttum 371 Buche über die Gnosis (Gnosis und spätantiker Geist 1934) die Daseinshaltung interpretiert, aus der der gnostische Mythos geboren wurde. Er hat hierbei den durchaus selbständigen und von der babylonischen und der iranischen Religion unabhängigen Charakter des gnostischen Erlösungsmythos auf gezeigt. Die im Orient wurzelnde Gnosis muß als eine religiöse Bewegung sui generis betrachtet werden, deren tiefsinniger Mythos auf die westliehen Völker eine starke Wirkung ausübte. Wie stand das rabbinische Denken zu dieser Gnosis? Zweifellos kannten die Rabbinen die gnostische Weltansicht, einschließlich vieler ihrer Motive und Bilder. Dafür zeugt nicht nur der erbitterte Kampf, den sie gegen das wohl die Gnosis repräsentierende Minäertum führten, sondern auch das in der älteren Forschung bereits nachgewiesene Vorkommen gnostischer Motive in der rabbinischen Kosmologie und Theosophie. Es braucht aber nicht angenommen zu werden, daß sich das Verhältnis der Rabbinen zur Gnosis in diesen wenigen Zügen erschöpft. Daß in die gaonäische Mystik außerordentlich viel gnostische Elemente eingeflossen sind, die deren Struktur weitgehend bestimmten, ist in neuerer Forschung (Scholem, Odeberg) gezeigt worden. Es ist daher die Frage, ob nicht auch — abgesehen von der spekulativen Mystik in esoterischen Zirkeln — das aggadische Schrifttum überhaupt von der Gnosis Anregungen empfangen habe. Es ist zu erwägen, ob nicht die theologische Begriffsbildung der Aggada durch ein, wenn auch wahrscheinlich polemisches Verhältnis zur Gnosis mitbestimmt wurde. Wesentliche Themata des gnostischen Erlösungsmysteriums sind die Begriffe ,,diese Welt — jene Welt“, ,,Urmensch — Mensch-Erlöser“, ,,Weisheit — Gesandter — Ruf“, ״Pneuma — Seelenaufstieg — Heimkehr — Erlösung“. Wir brauchen diese Logo! der Gnosis bloß mit Namen zu nennen, um zu begreifen, daß von hier wichtige Verbindungsfäden zur talmudisch -midraschischen Theologie laufen: zum Olam haba-Begriff, zur Lehre vom Urmensehen, Metatron-Henoch, zur Chochma-Memra (Logos)־Lehre und Tora-Mystik und schließlich zum Begriff des Ruach ha־kodesch und zur Lehre vom Erwerb der kommenden Welt. 24*

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