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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 370

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Gnostische Motive im rabbinischen Schrifttum
Date
1939-01-01
Page
Seite 370 (sequence 2)
Language
German
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370 Alexander Israel Altmann Die Gnosis war also ,,־ursprünglich in Palästina gerade wie im Phiionismus eine naiv sich vollziehende Ausgleichung zwischen den griechischen Lehren und der Bibel“ (ebenda). Ebenso sieht Eriedländer (in seinem Buche ,,Der vorchristl. jüd. Gnostizismus“) in der Gnosis lediglich eine Art philosophischer Bibelinterpretation mit dem Ziel der Verschmelzung der jüdischen Religion mit der herrschenden Philosophie (S. 44ff.). Diese Gnosis, die sich in eine gemäßigte und eine radikale Gruppe teilen lasse, sei auf jüdischhellenistischem Boden (in Alexandrien) erwachsen und habe sich schließlich nach Palästina verpflanzt, wo ebenso eine gemäßigte, die der rabbinischen (Maasse Bereschit und Maasse Merkawa) und eine radikale (in erster Reihe der Ophiten) festzustellen sei (S. 47, 53ff.). Das Wesentliche ist auch nach Friedländer der hellenistische Charakter der Gnosis, den er auch nach seiner Entdeckung einer vorchristlichen Erlösungsgnosis (in seinem späteren Buche ״Synagoge und Kirche in ihren Anfängen“) im Grunde nicht preisgegeben hat. Wir können heute diese Sicht in keiner Weise mehr nachvollziehen. Es geht nicht mehr an, unsere Auffassung von der talmudisehen Gnosis an den Ergebnissen der älteren Gnosisforschung zu orientieren. Es wird notwendig, unseren Blick auf die Ergebnisse der neueren und neuesten Gnosisforschung zu lenken und diese für ein tieferes Verständnis der Beziehung des Talmuds zur Gnosis fruchtbar zu machen. Wir sehen heute klar die Breite und den Tiefgang der Gnosis als einer ursprünglich orientalischen Bewegung, die bereits in vorchristlicher Zeit aufbricht und entscheidenden Anteil an der Gestaltbildung des Christentums gewinnt. Wir verdanken diese Einsicht vor allem den Forschungen Boussets und der Auswertung der mandäischen und manichäischen Quellen durch Lidzbarski und Reitzenstein. Die zentralen Motive dieser Gnosis sind danach nicht hellenistischen Ursprungs, sie sind auch nicht philosophisch-spekulativer Natur, sondern religiös-mythologischen Charakters. Sie fallen nicht in die Philosophie-, sondern in die Religionsgeschichte. Ihr Kern ist das mandäisch-manichäische Erlösungsmysterium. Hans Jonas hat in seinem ausgezeichneten

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