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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. 369

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Gnostische Motive im rabbinischen Schrifttum
Date
1939-01-01
Page
369 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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Gnostisehe Motive im rabbinischen Schrifttum Von Alexander Israel Altmann Über das Verhältnis der Tannaiten und Amoräer zur Gnosis sind bereits in der älteren jüdischen Forschung (Graetz, Krochmal, Joel, Friedländer) Untersuchungen angestellt worden. Graetz und Joel haben das Verdienst, in der in Mischna und Talmud vorsichtig berührten Kosmologie und Theosophie (Maasse Bereschit und Maasse Merkawa) motivische Anklänge an Systemelemente der spekulativen Gnosis entdeckt zu haben. (Gnosis der Gottesnamen, Metatronmystik, Lehre von den drei Menschenklassen, Anklänge an das ophitische Diagramm, Einwirken der Lehre vom Demiurgen und der Urhyle.) Der grundsätzliche Fehler in ihrer Betrachtungsweise bestand aber in einem völligen Mißverstehen des Wesens der Gnosis, was im damaligen Stand der Forschung begründet war. Die Gnosis galt als ein spekulativer Versuch der Harmonisierung von Bibel und platonisch-neupythagoräischer Philosophie. Joel meinte (gegen Baur und mit Zeller), daß der orientalische Ur- Sprung der Gnosis nur sehr bedingt und ״auf das bescheidenste Maß“ eingeschränkt zuzugeben sei1. Er betrachtete es als ein Unrecht an den Kirchenvätern, Plotin und Porphyrius, ihrer Behauptung, die Gnostiker schöpften aus der griechischen Philosophie und Mythologie, zu mißtrauen (S. 107). Er definiert die ,,naive“ Gnosis (im Unterschied zur ״tendenziösen“ etwa eines Marcion) als ״ein natürliches Produkt der Meinung, daß die Lehren der Philosophen, die man gerade für wahr hielt, in der Bibel enthalten sein müssen und aus ihren verschlossenen Sätzen durch den allegorisehen Schlüssel zu gewinnen seien“ (S. 110). Die palästinensischen Lehrer seien freilich nicht einfache Anhänger eines griechischen Systems, sondern durch die Bibel autoritär gebunden, daher mehr wirkliche Ausleger als Hineindeuter, aber auch sie beweisen nach Joel stärksten platonisch-neupythagoräischen Einfluß (S. 112). 1 Joel, Blicke in die Beligionsgeschichte I, Breslau 1880, S. 103 ff. 24

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