Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Zum Mischne Thora und den Mischnakommentar des Maimonides
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 366 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2830039-2830041-2850794--56047-2851216- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
366 Jakob Horovitz anderes hat, als das, was der j. Talmud ausdrücklich sagt, und zum zweiten, weil Maimonides, was Schwarz gleichfalls übersieht, eben jene Deutung der Worte פרט לאיילוגית H. Jibbum wa־Chaliza VI, 8 als Halacha bringt, die unter dem Gesichtspunkt der hier in Betracht kommenden Auslegung des bezüglichen Schriftworts natürlich nicht möglich ist. Wie ist es nun aber zu verstehen, daß Maimonides an der letzten Stelle jene Auslegung doch offenbar als nicht zu Recht bestehend ansieht? Diese ]Frage ist nicht an ihn, sondern an die Gemara selbst zu richten und an alle Dezisoren, die ihr folgen. Der erste Satz der Gemara a. a. 0. lautet nämlich vollständig: ת״ר והיה הבכור מלק שמצוה בגדול לייבם אשר תלד פרט לאיילוגיה. In einem Atemzuge werden also die beiden einander anscheinend widersprechenden Deutungen gegeben. Der Blick des Lesenden und Lernenden, der in erster Linie durch den Nachsatz festgehalten wird, gleitet allzu leicht über den Vordersatz hinweg, der von einer ganz anderen Deutung ausgeht. Raschi zum Pentateuch führt die Stelle vollständig an, wie sie im Sifra und in der Gemara zu finden ist. Maimonides schließt sich nun an Alfasi an, der sowohl diese Stelle als auch den Ausspruch Rabas bringt. Die letzte Aufhellung aller Schwierigkeiten ist allerdings erst möglich, wenn wir die Bedeutung der ג״ש und ihren Geltungsbereich innerhalb der rabbinischen Exegese überhaupt untersuchen. E. Biberfeld, Zur Methodologie der halachisehen Exegese, Jhb. d. Jüd. Lit. G. I, versucht S. 226 die beiden Deutungen des b. Talmud in Einklang zu bringen; er übersetzt den Schriftvers wie folgt: ,,Und es soll geschehen: der Erstgeborene . . ., vorausgesetzt, daß sie gebärfähig ist . . ., soll eintreten in den Namen (Besitz) seines Bruders/' Biberfeld will indessen zuviel beweisen. Er läßt bei seinen geistvollen Ausführungen die Worte Rabas: הכי אתאי* ג״ש אפלקתיה מפשטיה לגמרי vollkommen unberücksichtigt und teilt das Ganze so sehr auf den Kopf, daß er der Sache nach in der ג״ש geradezu den eigentlichen Peschat zu finden ge-