Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Historisches und Kulturhistorisches aus Wagenseils hebräischem Briefwechsel
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 329 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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Historisches u. Kulturhistorisches aus Wagenseiiß hehr. Briefwechsel 329 fliehen, und so kam er nach Mähren. Er wurde Rabbiner in Loschitz; da er aber eine erwachsene Tochter zu verheiraten hatte, mußte er noch überdies als Wanderprediger in Mähren und Österreich das nötige Geld verdienen. Inzwischen ging der Krieg zu Ende, und die ]Flüchtlinge begannen, nach Polen zurückzukehren. Auf dem Wege dorthin kam unser Schreiber nach Hotzenplotz, wo sich etwa 40 reiche, angesehene gelehrte בעלי בתים aus Polen angesiedelt hatten, und wurde dort, nachdem er am Sabbat gepredigt hatte, zum Rabbiner bestellt. Nach 21/2 Jahren kamen Hungersnot und Teuerung, so daß man für einen Laib Brot 1 Reichstaler zahlte und ,,jeden Tag 2000 Wagen nach Olmütz fuhren, um dort Roggen, Weizen und anderes Getreide zu kaufen“. Dazu kam das ,,Kriegsgetümmel66 aus der Türkei: ,,Wir flohen barfuß in die Wälder und Felder (und waren dort) fast 6 Wochen im Monat Elul nackt und ohne alles; alles, was ich erspart hatte, ging zugrunde‘‘. Schließlich wurde er in Lissa zum Rabbiner gewählt und konnte sich dort auch etwas Geld ersparen. So vergingen 2 Jahre, bis — wie es scheint — durch innere Streitigkeiten und eine gegen ihn entfaltete Hetze ihm der weitere Aufenthalt in Lissa unmöglich gemacht wurde. Er fragt nun seinen Bruder um Rat, ob er nach Polen gehen, sein Besitztum verkaufen und sich in Loschitz bei seinen Töchtern ansiedeln oder nach Deutschland wandern solle. Dieser Brief, der einige Daten zur Biographie der Familie Eibenschütz (Perlhefter) und zur Aufhellung der Geschichte der im 17. Jahrhundert aus Polen geflohenen Juden beiträgt, übermittelt auch manche Einzelheiten über das innere Leben der jüdischen Gemeinden Loschitz, Hotzenplotz und Lissa. 3 Der Verfasser des Briefes Nr. 2 ist Beer ben Jehuda Loeb Eibenschütz, nach der Familie seiner Frau Perlhefter genannt. Wie bereits erwähnt, wurde er in Prag geboren, wo er eine Tochter des Gemeindevorstehers Jakob Perlhefter14 heiratete. Als 14 Ygl. Hock-Kaufmann, Die Familien Prags, Preßburg 1892, S. 279.