Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 328

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Historisches und Kulturhistorisches aus Wagenseils hebräischem Briefwechsel
Date
1939-01-01
Page
Seite 328 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2830039-2830041-2850791--56006-2851178
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

328 Bernard Weinryb der 60er Jahre anzusetzen, spätestens jedoch 1673, zur Zeit des Krieges zwischen Polen und der Türkei. Aus dem Brief geht her־ vor, daß diese Familie Eibenschütz aus Polen stammt, R. Mose, der Eibenschützer Dajan und Sofer, war anscheinend aus Polen eingewandert10. Jedenfalls schreibt sein Sohn an den Bruder: ״Sicherlich hast Du gehört, daß ich ebenfalls wie Du infolge der Kriegsereignisse von unseres Vaters Erbe im Bande Polen verbannt wurde und in dieser Beziehung Dir gleich bin.“ Danach waren sowohl der Schreiber dieses Briefes Schalom wie der Adressat Loeb Eibenschütz — der Vater des Beer Perlhefter — aus Polen nach Mähren und Böhmen gekommen. Loeb Eibenschütz war Rabbiner in Teplitz (nach der Angabe Steinschneiders* 11) im Jahre 1646; nachher bekleidete er das Amt eines Rabbiners oder Rabbinatsassessors in Prag, von wo er nach Mantua ging. Sein Sohn Perlhefter nennt sich ״von Prag gebürtig“ 12, und sein Bruder schreibt ihm in dem hier veröffentlichten Briefe: ״Möge Dir Gott Gunst geben, daß Du von Mantua zu Deiner heiligen Stadt, dem gepriesenen Prag, zurückkommst und in Dein früheres Amt zurückkehrst, auf daß Du auf dem Richterstuhl sitzest.6 6 In diesem Brief wird das Wanderleben eines Rabbiners in jener schweren Epoche der Kriege und Unruhen in Ost- und Mitteleuropa geschildert. Der Schreiber des Briefes wurde durch das ״Kriegsgetümmel“ — gemeint ist sicher der Schwedisch-Polnische Krieg (1655ff.), in dem so viele Juden aus Polen nach Schlesien und Mähren flüchteten13 — gezwungen, aus Polen zu 10 Weniger wahrscheinlich ist, daß er sich in Eibenschütz (Polen) angesiedelt hat, da er auch nach seinem Tode משה סופר זדיץ ז״ל בק״ק אייבשיץ genannt wird und in Eibenschütz begraben ist. Ygl. auch Gold, Die Juden und Judengemeinden Mährens usw., S. 18S. 11 Steinschneider, Cat. Bod., p. 1064. 12 ״gebürtig aus der heiligen Gemeinde Prag“; in dem von ihm korrigierten Werke ״Beth David u. Schlomo“ (1689). 13 Über den Zustrom polnischer Juden nach Mähren zur Zeit des Chmielnicki-Aufstandes vgl. Gold, Die Juden und Judengemeinden Mährens usw., S. 6, 13.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.