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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 326

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Historisches und Kulturhistorisches aus Wagenseils hebräischem Briefwechsel
Date
1939-01-01
Page
Seite 326 (sequence 2)
Language
German
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326 Bernard Weinryb Die Briefe geben ein unmittelbares Zeugnis vom täglichen Leben der Juden, von ihren Interessen und von ihrer Auffassung der Zeitereignisse. Wir sehen, wie Juden sich nicht scheuen, Wagenseil mit dem Rabbinertitel zu benennen, ihn mit allen Epitheta zu hezeichnen, die man damals Rabbinern und Thoragelehrten beilegte. In einfacher, manchmal naiver Sprache wird über alle möglichen Dinge des Lebens gesprochen. East bei allen Briefen schimmert der zeit- und sittengeschichtliche Hintergrund hindurch, so daß nicht nur die Geschehnisse, sondern vielmehr auch die Statik des jüdischen Lebens erkennbar werden. Auf die Briefe, die sich im handschriftlichen Nachlaß von Christoph Wagenseil befinden3, hat seinerzeit David Kaufmann aufmerksam gemacht4, der sie auch edieren wollte. Sein frühzeitiger Tod hat wahrscheinlich diesen Plan zunichte gemacht. Einen Teil der hier veröffentlichten Briefe hat Kaufmann dazu benutzt, um einiges aus dem Leben des Beer Eibenschütz (Perlhefter), Dajan in Prag, mitzuteilen. Einige Briefe an Wagenseil sind später ver״ öffentlicht worden5. Johann Christoph Wagenseil, der sich schon als 21 jähriger Jüngling in Wien jüdischem Wissen erschlossen hatte6, zog, wie die anderen nicht]üdischen Gelehrten, die sich für Hebräisch und jüdisches Schrifttum interessierten7, Juden und Täuflinge an seine Seite, die ihn in dieser Wissenschaft unterrichteten, für ihn Bücher besorgten, Anfragen beantworteten usw. Manchmal weilte ein solcher Jude oder Täufling längere Zeit in Wagenseils Haus und 3 Hs. Hebr 1835 der Leipziger Stadtbibliothek. 4 D. Kaufmann, Die letzte Vertreibung der Juden aus Wien und Niederösterreich, Budapest 1889, S. 68, 189, 201—02. Auf die Tatsache, daß Kaufmann irrtümlicherweise Beer Eibenschütz zu den Wiener Exulanten zählt, wurde bereits von anderer Seite aufmerksam gemacht (Die Juden und Judengemeinden Mährens in Vergangenheit und Gegenwart, hrsg. von Gold, Brünn 1929, S. 188). 6 Jahrbuch der jüdisch-literarischen Gesellschaft VIIJ, S. 207—213. 6 Kaufmann a. a. 0., S. 68f. 7 Vgl. A. Wolf, Die Juden in Basel 1543—1872, 1909, S. 5, über zwei Juden, die Buxtorf hei sich beherbergte. Über Buxtorfs jüdische Korrespondenten vgl. Revue des Etudes Juives VIII.

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