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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 321

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Die letzten Wormser Judenbischöfe
Date
1939-01-01
Page
Seite 321 (sequence 9)
Language
German
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Die letzten Wormser Jndenbischüfe 321 David Chajim Canstatt stammte aus Mainz, wo seine Vorfahren schon lange ansässig waren. Wo er seine medizinischenKenntnisse und den Doktorgrad erlangt hatte, ist nicht bekannt. Wie aus dem Bewerbungsschreiben hervorgeht, war seine ärztliche Tätigkeit in Worms nicht allein auf die Bewohner der Judengasse beschränkt. In seinem Nachrufe28 wird ganz besonders seine Mildtätigkeit gepriesen. Auch von Kranken des Mittelstandes habe er nie für seine ärztliche Hilfe Bezahlung angenommen. Seit 1750 gehörte er dem Gemeindevorstande an und bemühte sich, Mißbräuche abzustellen, die sich im Laufe der Zeit in der Gemeinde eingeschlichen hatten. Um dieses Werk nachdrücklicher durchführen zu können, nahm er die Judenbischofsstelle an. Ein Teil der Mitvorsteher scheint ihm bei dieser Arbeit Schwierigkeiten bereitet zu haben. Vielleicht bewiesen sie ihm auch weniger Ehrerbietung als seinen aus der Aristokratie hervorgegangenen Vorgängern, die meistens abwesend waren und sich wenig um das Gemeindewesen kümmern konnten. Bald nach seinem Amtsantritte sah sich Dr. Canstatt genötigt, den Schutz der Regierung anzurufen. In der Beschwerdeschrift führte er aus, er habe vor drei Jahren das Vorsteheramt weder aus Ehrgeiz noch aus zu erwartendem Nutzen erstrebt, sondern er wurde hierzu vorgeschlagen wegen seiner der Gemeinde geleisteten Dienste. Er nahm das Amt an zu Ehren Gottes, der Gemeinde und seinen Mitbrüdern zuliebe, um die Einigkeit unter den Vorstehern zu erhalten und der Gemeinde dadurch füglicher dienen zu können. Damit seine zur Abänderung der eingeschlichenen schädlichen Unordnung, also dem gemeinen Wesen zum besten gemachten Ratschläge, durch eine höhere Autorität unterstützt, besseres Gehör bei den Vorstehern finden mögen, habe er das Judenbischofsamt angenommen. Seitdem werde er von ein und anderem ,,aus Jalousie vorsätzlich beunehrt, mithin 28 MBW 46. Seine Söhne Nathan und Jakob studierten in Heidelberg ebenfalls Medizin. Nathan ließ sich als Arzt in Mannheim und Jakob als solcher in Heidelberg nieder (Rieger, P., Deutsche Juden als Heidelberger Studenten im 18. Jahrhundert, Festschr. z. 70. G-eburtstage Martin Philippsons (1916), 178ff. und Felsenthal, S., Jüdische Ärzte in Alt-Mannheim, Sudhoffs Arch. f. Gesell, d. Medizin, Bd. 23, 193ff.). 21

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