Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Zur Geschichte der jüdischen Ärzte
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 308 (sequence 4)
- Language
- German
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308 Adolf Israel Kober Sie dürfen sich zu Bendorf11 gleich anderen Juden niederlassen, ihr Schutz dauert 7 Jahre lang, sie haben sich allen gültigen Orclnungen zu unterwerfen. Die Beamten werden vom Grafen Hermann von Sayn gemahnt, den genannten Juden ihren Schutz zu־ teil werden zu lassen. Der Jude Joseph und sein Großvater, der Judenarzt Veill, versprechen, ihre Verpflichtungen gegenüber dem Grafen von Sayn unverbrüchlich zu halten und jährlich 10 Goldgülden pünktlich zu zahlen. Wichtig für unser Thema sind die Ratsprotokolle der Stadt Köln. Nach ihrer Ausweisung aus Köln im Jahre 1424 durften Juden den städtischen Boden nur mit besonderer Genehmigung betreten12. Für die Zeit vom 20. 4. 1650 bis zum 22. 4. 1675 — also in einem Zeitraum von 25 Jahren—ist beispielsweise in ca. 338 Fällen den Judendoktoren von Deutz und Mülheim13 die Erlaubnis zur Behandlung von Patienten in der Stadt Köln erteilt worden14. Es kommen also ca. 13—14 Fälle auf das Jahr in der angegebenen Zeit. Die Patienten rekrutieren sich aus allen Kreisen der Stadt15. Der Höhepunkt wird in den Jahren 1662—1667 erreicht. 1662 sind es 25, 1663: 15, 1664: 35, 1665: 27, 1666: 29, 1667: 19 Fälle, in denen die Judendoktoren nach Köln hineindürfen. Dieses Anschwellen jüdisch-ärztlicher Tätigkeit in Köln ist vor allem auf den von mir bereits geschilderten Judendoktor Levi Nathan zurückzuführen16. Er wird zuerst, in Riehl17 wohnhaft und mit Herzoglich Pfälzisch-Neuburgischem Geleit versehen, im Jahre 1657 mit Namen genannt18. Der Rat der Stadt Köln verbietet ihm den Aufenthalt daselbst; Levi Nathan siedelt nach Rodenkirchen19 über. Aber die 11 Auf dem rechten Kheinufer unterhalb Koblenz bei Sayn. 12 Siehe Rheinische Judendoktoren, S. 203ff. 13 Städte auf dem rechten Rheinufer gegenüber Köln, heute Kölner Stadtteile. 14 Ratsprotokolle n. 97, f. 85 bis n. 122, f. 122b. In manchen Fällen wird der Aufenthalt versagt. 15 Manchmal verbirgt sich der Patient unter der Bezeichnung N. N. 16 Siehe Rheinische Judendoktoren, S. 208f. 17 Dorf auf dem linken Rheinufer unterhalb Köln, heute Stadtteil. 18 Ratsprotokolle n. 104, f. 253 a, n. 105, £. 187b, 222 b. 19 Dorf auf dem linken Rheinufer oberhalb Köln.