Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Zur Etymologie Aschkenaz - Deutschland
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 303 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Etymologie אשכנז-Deutschland 303 Bereich stammen, weil im 9. und 10. Jahrhundert die literarische Betätigung innerhalb des deutschen Bereichs hei den Juden ganz minimal gewesen sei. Die wenigen hebräischen Überlieferungen dieser Zeit sind ja bekanntlich nicht etwa darauf zurückzuführen, daß der größte Teil der literarisch hebräischen Produktion im Laufe der Jahrhunderte verloren gegangen ist, sondern nur dem Umstand zuzuschreiben, daß die literarische Produktion der Juden innerhalb des deutschen Bereichs im 9. und 10. Jahrhundert in־ folge der geringen Menschenzahl ganz verschwindend war. Juden des deutschen Bereichs haben — worauf ganz besonders hinzuweisen ist — erst einige Jahrhunderte später sich selbst mit Aschkenas identifiziert. Deshalb bezeichnet auch noch nicht einmal Menachem ben Salomo Meiri in seinem Beth ha Bechira den R. Meir aus Rothenburg und den R. Isaak ben Jehuda aus Mainz als Aschkenasim. Damit steht jedenfalls unbezweifeibar fest: Die Etymologie Aschkenas Deutschland rührt von Juden des arabischen Kulturkreises her. 3. Es erhebt sich nun die Frage, warum diese arabisch sprechenden Juden zu dieser Etymologie kamen. Die Antwort kann nur kulturgeschichtlich geführt werden. Daß ihnen das geographisehe Weltbild des Ptolemäus in arabischer Übersetzung oder mittelbar durch arabische Geographen, die auf jenen fußten, bekannt war, darf ohne weiteres angenommen werden. Dies führt uns auf das Entstehen der Etymologie hin. Da die Etymologie geschichtlich unbegründet ist, bleibt als Erklärung der Verwendung des biblischen Namens nur noch die Lautähnlichkeit übrig. Das Klangmoment weist in der Tat auf den etymologischen Zusammenhang hin. Als bloßen philologischen Einfall ohne weitere Beweisführung hat D. Simonsen (Judaica, Festschr. Hermann Cohen, Berlin 1912 S. 301) Aschkenas Deutschland mit Scandza (= Skandinavien) zusammengebracht. Bei Jordanes (De origine actibusque Getarum ed. Th. Mommsen, Mon. Germ, hist., Auct. antiquissimi VI, 1882 S. 55ff.), der dafür den Ptolemäus als Quelle zitiert,